Bedrohte Haie dürfen nicht mehr auf die Speisekarte

11. März 2013, 17:36
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Artenkonferenz CITES: Die Verwendung als Delikatesse wird trotz Widerstands aus Asien stark eingeschränkt

Der internationale Handel mit fünf bedrohten Haifischarten ist künftig nur noch erlaubt, wenn die Bestände nicht gefährdet sind. Das wurde auf der internationalen Artenschutzkonferenz CITES gegen den Widerstand von China und Japan am Montag in Bangkok beschlossen. Der WWF spricht von einem "Meilenstein für den weltweiten Hai-Schutz". Im Konferenzsaal sei bei den Abstimmungen jeweils spontan Applaus ausgebrochen.

"Damit siegt der Artenschutz über kulinarische Begehrlichkeiten und wirtschaftliche Interessen", sagte WWF-Experte Volker Homes. Denn immer wieder seien auf den Artenschutzkonferenzen Anträge zum Schutz der Haie an dem Widerstand Japans, Chinas und anderer - vornehmlich asiatischer - Länder gescheitert.

Regeln treten in 18 Monaten in Kraft

Neben fünf Haiarten - dem Weißspitzen-Hochseehai, drei Hammerhai-Arten und dem Heringshai - werden auch der Riesenmanta und der Riffmanta nun geschützt. Asiatische Heiler pulverisieren deren Kiemengewebe als Heilmittel, was die Bestände deutlich dezimiert hat. Alle sieben Arten dürfen künftig nur noch mit Fanglizenzen gefischt werden.

Die Lizenzgeber müssen nachweisen können, dass das Überleben der Art durch deren kommerzielle Nutzung nicht gefährdet wird. Die Regeln treten in 18 Monaten in Kraft.

Europäer mitschuld an Dezimierung der Haie

Die Bestände der Haie sind in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Meeresräumen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Was bei der Berichterstattung jedoch oft zu kurz kommt: Nicht nur asiatische Länder sind für die Situation der Haie verantwortlich. Vor allem durch den Appetit der Europäer auf Haisteak schwinden viele Arten.

Mit wachsendem Wohlstand in Asien ist nun jedoch zusätzlich die Nachfrage nach Haifischflossen gestiegen. Damit verbunden ist eine Fangmethode, genannt "Shark Finning": Die Fischer schneiden die Flossen ab und werfen das Tier zurück ins Meer. Falls es noch lebt, verendet es am Meeresgrund.

Hinzu kommt eine enorme, da lukrative Piratenfischerei. Zwischen 1950 und 2003 sind allein die offiziellen Haifischfänge weltweit von etwa 273.000 auf fast 900.000 Tonnen gestiegen. Zwar sinken die Fangzahlen seit 2004 wieder leicht, doch das liegt nach WWF-Einschätzung nicht an einem neuen Bewusstsein für die Bedrohung der Haie, sondern an den weltweit einbrechenden Populationszahlen.

Haie erreichen Geschlechtsreife spät

"Haie sind generell sehr anfällig für Überfischung", warnt WWF-Fischereiexperte Axel Hein. Der Grund dafür ist, dass die Tiere sehr langsam wachsen und die Geschlechtsreife teilweise erst im Alter von 30 Jahren erreichen. Dadurch können sie hohe Fangzahlen nicht durch eine schnellere Reproduktionsrate ausgleichen. (Julia Schilly, derStandard,atm 11.3.2013)

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    In der Auslage eines Speiselokals in Bangkok werden riesige Haifischflossen ausgestellt.

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