Nach Großbrand in Deutschland: Leichen sollen in Türkei überführt werden

12. März 2013, 10:47
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Acht Menschen erstickten bei dem Unglück - Technischer Defekt als Ursache - Vermieter unter Kritik

Stuttgart - Zwei Tage nach dem tragischen Großbrand mit acht Toten sollen die Leichen der Opfer heute zur Bestattung in die Türkei überführt werden. Das hatte der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu am Montag angekündigt. "Die Leichen sind freigegeben", sagte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Dienstag. Die Obduktion sei abgeschlossen. Damit gilt als sicher, dass die acht Mitglieder der türkischstämmigen Familie an giftigem Rauch erstickt sind.

In einem Haus bei Stuttgart waren am Sonntag eine 40 Jahre alte Mutter und sieben ihrer Kinder ums Leben gekommen. Die Familie stammte aus Afyon in der Mitteltürkei. Die Eile bei der Überführung der Leichen begründet sich damit, dass im Islam Verstorbene eigentlich binnen weniger Stunden beerdigt werden müssen.

Für Dienstagvormittag ist ein Totengebet mit Hinterbliebenen in einer Moschee wenige Häuser von der Unglücksstelle entfernt geplant. Dazu haben sich unter anderem Baden-Württembergs Vizeregierungschef Nils Schmid und Integrationsministerin Bilkay Öney angekündigt.

Technischer Defekt wahrscheinlich

Die Brandkatastrophe in Backnang bei Stuttgart mit acht Toten ist nach Angaben der Polizei wohl durch einen technischen Defekt ausgelöst worden. Die Untersuchungen gehen indes weiter. Die Hintergründe zur Familie und den Lebensbedingungen rücken immer stärker in den Vordergrund.

Angehörige der Opfer hatten dem Vermieter der Wohnung und den deutschen Behörden schwere Vorwürfe gemacht. Die elektrischen Leitungen in der Wohnung seien total marode gewesen, sagte etwa die Großmutter der sieben getöteten Kinder. Der Vermieter habe sich aber nicht darum gekümmert. Einzige Heizquelle in der Wohnung war ein Holzofen. Und dem Vernehmen nach gab es dort kein warmes Wasser. Ein Polizeisprecher erklärte, der Vermieter werde ebenfalls vernommen. Er sei derzeit im Ausland.

Wegen der schlechten Wohnverhältnisse habe sich die Mutter mehrfach an deutsche Ämter gewandt, erklärten weitere Angehörige. Auch das Jugendamt sei mehrfach in der Wohnung gewesen.

Privatleute halfen bei Brandbekämpfung

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül forderte eine vollständige Aufklärung. Angesichts rechtsextremistischer Anschläge in Deutschland in der Vergangenheit hält die Türkei auch einen politischen Hintergrund für möglich. Wegen fremdenfeindlicher Brandanschläge in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren "ziehen wir alle Möglichkeiten in Betracht", sagte Gül nach türkischen Medienberichten vom Montag.

Sonntag früh hatten auch Privatleute bei der Bekämpfung des Brandes geholfen. Der Betreiber eines benachbarten Lokals rettete drei Mitglieder der Großfamilie.

Merkel reagiert auf Unglück

Die Überlebenden - Mutter, Bruder und der elfjährige Sohn der verstorbenen 40-Jährigen - waren noch in der Klinik in psychologischer Behandlung. Auch der getrennt von der Familie lebende Vater wird nach dem Verlust seiner früheren Partnerin und sieben seiner Kinder betreut.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestürzt auf das Unglück reagiert. Die Kanzlerin sei zutiefst erschüttert, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin. Mit Blick auf skeptische Äußerungen aus der Türkei zur deutschen Ermittlungsarbeit betonte Streiter: "Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist." (APA, 11.3.2013)

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    Die elektrischen Leitungen in der Wohnung seien total marode gewesen. Ein technischer Defekt soll das Feuer ausgelöst haben.

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