China: Grüne Forschung im Land der Klimasünden

11. März 2013, 11:49
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Die enormen Umweltprobleme Chinas veranlassen das Land dazu, so viel wie kein anderes für die Erforschung erneuerbarer Energien auszugeben

Peking/Wuhan - 2050. Die Erdölreserven sind ausgeschöpft, die Infrastruktur ist zusammengebrochen, die Menschen haben sich vor dem giftigen Smog unter die Erdoberfläche zurückgezogen. Die einzigen Energiequellen, die bleiben, sind Sonne und Wasser.

Szenarien wie diese stehen auf dem Pflichtprogramm von Wu Pei Dongs Curriculum. Dabei handelt es sich nicht um Seminare einer Vereinigung, die den für 2012 prophezeiten Weltuntergang der Maya auf das Armageddon für 2050 verschoben hätte, sondern um das Institute for Clean and Renewable Energy, kurz Icare.

Die renommierte Huazhong-Universität in Wuhan bietet als einzige in China den Master "Erneuerbare Energien" an. 2010 wurde Icare als gemeinsames Projekt der EU und China gegründet. Seitdem werden 160 Studierende in den Fächern Solar- und Windenergie, Biomasse, Geothermik, Energiespeicherung sowie Energieeffizienz ausgebildet.

Außer dem Inhalt hätten Wu die Möglichkeit geförderter Auslandspraktika und der Zweistaatenmaster überzeugt. Er zählt zu den ersten 37 Absolventen, die am 15. März sowohl einen chinesischen als auch einen europäischen Master erlangen. Durch die Kooperation der Huazhong-Uni mit der Paris Tech wird der zweifache Studienabschluss ermöglicht. Dabei wird der Lehrkörper von beiden Unis besetzt. Zurzeit sind 50 sogenannte "Wanderlehrende" aus Europa beschäftigt. Sie bleiben in Rotation für zwei Wochen in Wuhan. Die sinofranzösische Verbindung zeigt sich bis zur geteilten Institutsleitung.

"Nicht nur die chinesische Regierung erkennt langsam die Auswirkungen von Bevölkerungswachstum, Klimaveränderung und Mangel an Erdölreserven, auch wir Studenten spüren die hohen Ölpreise, wenn wir im kalten, ungeheizten Studentenheim lernen müssen", erklärt der Erstsemestrige Liv Shan.

Naheverhältnis zur Industrie

Nach vier Jahren Biotechnologie-Studium entschied er sich, am Icare mit Schwerpunkt Biomasse weiterzustudieren. Seine berufliche Zukunft sieht er in der Forschung, besonders die Weiterentwicklung von umweltfreundlichem Biodiesel spornt ihn an. Mit Kritik am Programm halten die Studierenden sich zurück. Schließlich sei ein Studienplatz hart verdient - das teils schriftliche, teils mündliche Aufnahmeverfahren wird vor einer internationalen Jury abgehalten. Dennoch problematisieren die Studierenden das Naheverhältnis zu Unternehmen. Kooperationen würden eine Vielzahl an Praktika garantieren, allerdings könnte die Finanzierung bestimmter Studienzweige durch die Wirtschaft den Interessen der Industrie dienlicher sein als jenen der Gesellschaft.

Das Institut soll auch eine wissenschaftliche Plattform sein, um Netzwerke zwischen der EU und chinesischen Partnerunternehmen im Bereich erneuerbarer Energien aufzubauen, erklärt Gauillaume Macaux, der Projektmanager des Icare. Für viele Studierende ist das ein Anreiz, so wie für Wu, der später einen Ingenieursposten in einem internationalen Konzern innehaben möchte. (Kristina Nedeljkovic, DER STANDARD, 7.3.2013)

Link: Zum Studienangebot in China

Wissen: China und die Energiewende

Auf der Suche nach den Sündenböcken globaler Energienutzung erscheint ein Kandidat kontinuierlich auf den vordersten Plätzen: China. Neu ist, dass die Volksrepublik seit 2009/2010 eine andere Liste anführt - sie ist zum größten Investor in erneuerbare Energien avanciert.

Mehr als jeder andere Staat investiert China in Wasser- und Windkraft, in Energienutzung aus Abfall und Sonne sowie Biomasse. 2011 waren es 52 Milliarden US-Dollar (40 Milliarden Euro), die USA kamen auf 51 (39 Milliarden Euro), während alle 27 EU-Staaten gemeinsam 107 Milliarden (82 Milliarden Euro) in Energiealternativen gossen.

Im letzten Fünfjahresplan wurde das gezielte Wachstum erneuerbarer Energien beschlossen, hierzu zählen aber auch Atom- und "klimafreundliche" Kohlekraft. Bis 2015 sollen 60 neue Wasserkraftwerke gebaut werden. Chinas größter Handelspartner ist die EU. (ned, DER STANDARD, 7.3.2013)

  • Die Städte Chinas sind die Zentren der Umweltsünden. Immer mehr Studenten und Unis beachten dieses Problem. Im Bild: eine Studentendemo in Hongkong.
    foto: epa

    Die Städte Chinas sind die Zentren der Umweltsünden. Immer mehr Studenten und Unis beachten dieses Problem. Im Bild: eine Studentendemo in Hongkong.

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