Analyst übt massive Kritik an Nintendo und Wii U, Entwickler zurückhaltend

11. März 2013, 13:05
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Mangelnde Verbreitung der Wii U sorgt für Spiele-Mangel

Nintendos im November erschienene Spielkonsole Wii U will nicht so recht in die Gänge kommen. Zunächst verpasste die Konsole die von Nintendo selbst gesteckten Verkaufsziele, nun mehren sich auch kritische Stimmen aus der Branche. Am deutlichsten äußert Wedbush Morgan-Analyst Michael Pachter seinen Unmut. Aus Sicht der Anleger gebe es derzeit wenig Gründe, in Nintendo zu investieren. Die profitablen Zeiten mit Wii und dem Handheld DS seien vorbei, mit dem 3DS und der Wii U könne der Konzern keine nennenswerten Gewinne erzielen. "Das Hardware-Geschäft ist nicht mehr sinnvoll für Nintendo", meint Pachter in der Sendung Pach-Attack. Es sei ein Fehler, dass Präsident Satoru Iwata an der alten Strategie des Konzerns festhalte und seine Spiele nicht auch für andere Plattformen entwickelt. "Nintendo-Spiele würde sich doppelt so gut verkaufen." Nintendos Aktienwert ist vom Höchststand im September 2007 von fast 80 US-Dollar in den vergangenen Jahren auf unter 14 Dollar eingebrochen. Ein Tiefstand, der zuletzt 2005 erreicht wurde. Die Wii U und der 3DS konnten offenbar nichts an der pessimistischen Haltung der Aktionäre ändern.

Mangelnde Unterstützung durch Dritthersteller

Der französische Herausgeber Ubisoft, der die Wii U von allen Drittherstellern am stärksten mit Werken bewirbt, glaubt nach wie vor an die Plattform, pocht jedoch auf eine Kursänderung. "Wir denken, dass die Wii U ein tolles System ist. Aber sie muss sich einfach besser verkaufen", sagt Ubisoft-Chef Yves Guillemot. Alain Corre, Manager für den Bereich EMEA, würde eine Preissenkung begrüßen. "Wir wollen immer, dass die Hardware günstig ist, damit es sich so viele Fans wie möglich leisten können, unsere Spiele zu kaufen."

"Wir sind in gewisser Weise enttäuscht vom Start der Wii U", hieß es hingegen von Seiten Activision-Blizzards CEO Bobby Kotick. "Ich denke, es wird ein herausforderndes Jahr."

Die mangelnde Verbreitung der Wii U droht für Nintendo auch deshalb zum Problem zu werden, weil sich immer weniger Spielentwickler dazu entscheiden, die Plattform zu unterstützen. Einige zum Start angekündigte Titel wurden bereits verschoben oder gar nicht veröffentlicht. Im Vorfeld noch groß beworben, entschied sich beispielsweise Gearbox Software dazu, dass Spiel "Aliens: Colonial Marines" kurzfristig für Wii U abzusagen. Aber auch der Start für PC, PS3 und Xbox 360 verlief alles andere als erfreulich. Ubisoft wollte ursprünglich im Februar das Jump'n'Run "Rayman Legends" exklusiv für Wii U herausbringen. Im letzten Moment wurde der Start dann auf September verschoben und die parallele Veröffentlichung für PS3 und Xbox 360 angekündigt. Das deutsche Studio Crytek erklärte, dass der Shooter "Crysis 3" bereits für die Wii U portiert wurde, schlussendlich aber von Herausgeber Electronic Arts keine Freigabe erhielt. "Wenn es für sie aus geschäftlicher Sicht nicht sinnvoll ist, können wir nichts machen", so Studio-Chef Cevat Yerli. Aktuelle Blockbuster wie "Tomb Raider" oder "BioShock Infinite" wurden erst gar nicht für Wii U umgesetzt.

Trüber Ausblick

Die mangelnde Unterstützung der Wii U durch Dritthersteller zeigt sich überdies an vielen großen Neuankündigungen. Branchentreibende Werke wie "Destiny", der kommende Shooter der "Halo"-Schöpfer, oder die Neuauflage von "Thief" sowie Rockstars "Grand Theft Auto 5" werden allesamt nur für konkurrierende Systeme erscheinen. Einzig Ubisoft scheint Nintendo mit "Assassin's Creed 4" und "Watch Dogs" die Stange zu halten.

Dies bedeutet auf lange Sicht, dass sich die Wii U und die Wii U-Spieler wohl in erster Linie auf Nintendos hauseigene Produktionen rund um "Super Mario" und "Zelda" verlassen werden müssen, während Dritthersteller konkurrierende Plattformen wie die PS4 und die nächste Xbox anvisieren. (zw, derStandard.at, 11.3.2013)  

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