Vergewaltigung in Indien: Angeklagter tot in Zelle aufgefunden

11. März 2013, 10:26
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Vertreter des Gefängnisses sprechen von Selbstmord des Hauptverdächtigen, sein Anwalt von Mord

Neu-Delhi - Der Hauptangeklagte im Fall der tödlichen Vergewaltigung einer Inderin ist in seiner Gefängniszelle tot aufgefunden worden. Der 35-Jährige habe sich erhängt, sagte Sunil Gupta, ein Vertreter des Tihar-Gefängnisses in Neu Delhi, am Montag. Das Umfeld des tot aufgefundenen Hauptangeklagten geht nicht von einem Selbstmord des Mannes aus. Der Anwalt von Ram Singh, V.K. Anand, forderte die Polizei am Montag auf, Mordermittlungen einzuleiten. "Wenn er sich umgebracht hätte, hätte er einen Brief hinterlassen", sagte Anand. Die Familie der 23-jährigen Frau, die von sechs Tätern vergewaltigt und schwer misshandelt worden war, warf den Behörden nachlässige Sicherheitskontrollen vor.

Der Hauptverdächtige habe sich aus seiner Kleidung einen Strang gedreht, sagte Gupta weiter. Der 33-Jährige sei allerdings - entgegen ersten Berichten -  mit drei weiteren Insassen untergebracht gewesen, die nicht wegen des Verbrechens an der 23-jährigen Studentin angeklagt sind. Laut Gupta solle daher eine Obduktion klären, ob Fremdeinwirkung vorliegt. Angehörige des Toten sprachen im Nachrichtensender NDTV von Mord. Sein Verteidiger sprach von einer Verschwörung.

Nach Angaben des Gefängnissprechers gibt es in den Zellen keine Überwachungskameras, die Insassen würden direkt von den Sicherheitskräften beobachtet. Die Verteidiger der Angeklagten hatten mehrfach erklärt, ihre Klienten würden im Gefängnis von anderen Insassen auf Geheiß der Polizei gefoltert. Sie baten um bessere Sicherheitsvorkehrungen und tägliche Gesundheitsuntersuchungen.

Familie des Opfers kritisiert Behörden

Der Vater der Medizinstudentin, die im Dezember im Beisein ihres Freundes so brutal vergewaltigt worden war, dass sie wenige Tage später starb, kritisierte die Behörden. Die Polizei habe versagt und er frage sich, wie es mit dem Verfahren weitergehen werde. Die Mutter der Toten zeigte sich ebenfalls schockiert. Sie habe Gerechtigkeit für ihre Tochter gewollt, aber nun sei der Hauptangeklagte tot, sagte sie.

Ein ranghoher Polizeibeamter versicherte, dass der Vorfall keinen Einfluss auf das Gerichtsverfahren haben werde. Dieses werde fortgeführt, sagte er. Ein weiterer Polizeivertreter sagte, die Leiche des Gefangenen sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort hätten Ärzte noch versucht, den Mann wiederzubeleben, dies sei aber vergeblich gewesen.

Der Hauptangeklagte soll den Bus gefahren haben, in dem das Verbrechen begangen wurde. Wegen des Falls, der weit über Indien hinaus Entsetzen ausgelöst hatte, sind nun noch vier Männer unter anderem wegen Mordes angeklagt, darunter ein Bruder des Toten. Ihnen droht die Todesstrafe. Ein 17-Jähriger steht vor einem Jugendgericht. (APA, 11.3.2013)

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