Papst-Leitfaden: Drei Schritte zum Erfolg

11. März 2013, 09:35
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Bringen wir das in wenigen Stunden beginnende Konklave auf den Boden der Realität: Es geht weniger darum, den Richtigen zu finden, als vielmehr darum, den Falschen zu vermeiden! Die Bekenntnisse des Kardinal O’Brien müssen für seine Amtsbrüder ein Schock sein. Fast wäre er in die Sixtinische Kapelle mit eingezogen. Kürzlich hat er sich zu sexuellen Übergriffen bekannt. Ist er der Einzige, der diesbezüglich etwas auf dem Kerbholz hat? Vermutlich nein. Gerade der konservative Flügel muss sich vor der Formel fürchten: je konservativer, desto Groër.

Aber es geht nicht nur um dieses Thema. In der römisch-katholischen Kirchengeschichte war stets die Dreifaltigkeit von Sex, Macht und Geld präsent. Geld: Wer von den Kardinälen ist in den internationalen Finanz-Schlamassel der Vatikanbank involviert? Macht: Wer ist politisch belastet, weil er in seinem Heimatland hinter den Kulissen zu sehr in politische Machenschaften involviert ist? Eine Frage vor allem für demokratisch wenig entwickelte Länder.

Durch die Vorverlegung des Papstwahltermins haben die Kardinäle bereits zwei Aufgaben in sträflicher Weise vernachlässigt: erstens die Möglichkeit, die Zeit für ein besseres Kennenlernen zu nutzen. Es ist ja geradezu abenteuerlich, wie wenig sich die Spitzen der katholischen Kirche persönlich kennen. Sowie zweitens die Chance, ein kleines Kardinals-Konzil abzuhalten, bei dem in strukturierter Weise über die Zukunft der Kirche diskutiert und methodisch gearbeitet wird. Nur weil bisher an die Hundert geredet haben, ist noch lange nichts gesagt …

Eines ist sicher: Es ist ein ziemlich unmöglicher Job, der auf den neuen Papst wartet. Ohne Veränderung des Amtsverständnisses wird die Kirche nicht aus ihrem Taumeln herauskommen. Wenn sogar der Leitartikel des „L’Osservatore Romano“ von Reformbedarf spricht, wird klar, dass es bereits fünf nach zwölf ist.

Churchwatch formuliert eine kleine Handreichung für den Gewählten zum positiven Einstieg in die neue Aufgabe:

1. Nomen est omen: Bleiben Sie bei Ihren Taufnamen. Mit diesem Zeichen drücken Sie aus: Ich bleibe in diesem Amt derselbe Mensch, der ich vorher war. Nehmen Sie eine kleine Änderung in der traditionellen persönlichen Anrede vor – mit großer Wirkung. Lassen Sie sich als „Geistlicher Vater“ und nicht als „Heiliger Vater“ ansprechen. Streichen Sie „Eure Heiligkeit“ aus dem Protokoll.

2. Kleider machen Leute: Ziehen Sie die weiße Papst-Soutane erst gar nicht an (die hat Ihr Vorgänger noch gar nicht abgelegt), sondern wählen Sie eine sandfarbene Kleidung (© Adolf Holl). Mit der Farbe der Wüste nehmen Sie nicht nur auf den Ursprung der drei Abrahamsreligionen Bezug, sondern drücken – in der aktuellen Kirchenphase ganz wichtig -  Umkehr und Buße aus. Dazu passen einfache Sandalen besser als die knallroten Schuhe. Diese haben ohnehin weniger an das Blut der Märtyrer erinnert (was diese Farbe in der kirchlichen Kleiderordnung ausdrückt), sondern eher daran, dass Päpste zeitweilig auch durch Blut gewatet sind. Die ersten beiden Schritte waren symbolischer Natur. Das ist freilich in einer Gemeinschaft, die sich sakramental – also durch Zeichenhandlungen wirkend – versteht, von wesentlicher Bedeutung. Nichtsdestoweniger jetzt zur Hauptsache, zu einem Kernthema, das im Vorkonklave vielleicht sogar ausgespart wurde:

3. Mission-Statement: Weltfrieden. Die internen Skandale und die unbewältigten Zeitfragen haben die Kirche insgesamt aus der Spur gebracht. Kündigen Sie als erste große Aktivität eine Reise durch die islamischen Länder an, bei der Sie mit den muslimischen Religionsführern in einen Dialog treten möchten. Sagen Sie: Der Weltfriede hängt wesentlich davon ab, dass in Zukunft Gewalt nicht mehr religiös begründet werden kann. Laden Sie alle christlichen Kirchen ein, bei diesem christlich-muslimischen Dialog mitzumachen (in der Praxis zeigt sich dann rasch, wie lächerlich unsere theologischen Differenzen innerhalb der Christenheit angesichts dieser Herausforderung sind).

 Sie werden sehen: Wer in diesem Mammutprojekt voranschreitet, kann die innerkirchlichen Querelen geradezu nebenbei lösen. Zum Beispiel, indem Sie eine Frau zur Kardinalstaatssekretärin machen.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der neue Papst die Schuld der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal aufklären muss.

Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.

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    Tipp für den neuen Papst: Ziehen Sie die weiße Papst-Soutane erst gar nicht an (die hat Ihr Vorgänger noch gar nicht abgelegt. Mit der Farbe der Wüste drücken Sie  Umkehr und Buße aus. (Schon gesehen bei Gammareli mit fotoshop)

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