Tirol: Unterschiedliche Öffi-Preise für dieselben Strecken

14. März 2013, 10:37
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Grünen-Politiker Gebi Mair prangert fehlende Zusammenarbeit zwischen der ÖBB und dem VVT an

Wer in Tirol mit den öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs ist, zahlt unter Umständen für ein und dieselbe Strecke völlig unterschiedliche Preise, je nachdem bei welchem Verkehrsanbieter das Ticket gekauft wird. Schuld daran ist, laut dem Grünen Abgeordneten Gebi Mair, die fehlende Zusammenarbeit zwischen der ÖBB AG und dem Verkehrsverbund Tirol.

Eine Strecke, unterschiedliche Preise

"Der Verkehrsverbund pocht auf ein Monopol für Tickets in Tirol, gleichzeitig akzeptiert er allerdings die Vorteilscard der ÖBB-KundInnen nicht", schreibt Mair auf seinem Blog. Das führe dazu, dass der Fahrgast etwa für die S-Bahnstrecke von Hochfilzen nach Innsbruck bei der ÖBB 11,70 Euro zahlt, sofern er über eine Vorteilscard verfügt. Der Vollpreis liegt bei 23,30 Euro. Der Verkehrsverbund Tirol verrechnet hingegen regulär 16,70 Euro für die Fahrt.

VVT-Tarif ist offizieller Tarif

"Eigentlich ist der VVT-Tarif der offizielle Tarif", erklärt Philipp Penetzdorfer, Pressesprecher des Verkehrsverbund Tirol. "Daher scheinen bei den Automaten in Tirol auch keine ÖBB-Tarife mehr auf." Um die Kunden nicht zu verwirren, habe man auch schon bei der ÖBB angefragt, dass sie die Tarife für Tirol von der ÖBB-Website nimmt.

"Die Vorteilscard erwirkt bei den VVT-Tarifen deswegen keine Vergünstigungen, weil es sich um eine Produkt der ÖBB handelt", so Penetzdorfer weiter. Der Verkehrsverbund Tirol habe zudem eigene Vergünstigungen eingeführt, wie zum Beispiel das Jahrsticket für Senioren: "Damit können die Fahrgäste flächendeckend alle öffentlichen Verkehrsmittel in Tirol nutzen."

Historisches Wachstum der Unternehmen

Die ÖBB hingegen argumentiert die unterschiedlichen Preise von ÖBB und VVT damit, dass die Unternehmen im Laufe der Zeit parallel zueinander gewachsen seien. "Im Gegensatz zur ÖBB AG haben die insgesamt sieben verschiedenen Verkehrsverbunde in Österreich eine jeweils eigene Struktur und Organisation", erklärt die ÖBB-Pressesprecherin Sarah Nettel.

Und das wirke sich auch auf die Preise aus. "Die Verbunde verfügen über unterschiedliche Abrechnungssysteme", meint Nettel. So rechne etwa der Verkehrsverbund Tirol nach Zonen ab und die ÖBB grundsätzlich nach dem Fahrplan, also den Stationen. Generell gebe es zwischen ÖBB und allen österreichischen Verbund-Unternehmen eigene und einzeln ausgehandelte Tarif-Regelungen.

Zonenabrechnung auch in Wien

Für Wien und Umgebung ist der Verkehrsverbund Ostregion zuständig, der ebenfalls nach Zonen abrechnet. Zwar zählt dabei die S-Bahn zur ÖBB, ist jedoch Teil des Tarifsystems des Verkehrsverbund Ostregion. "Daher bekommt man das Ticket trotzdem über den VOR", erklärt VOR-Pressesprecher Werner Molik. "Ausnahmen sind die ermäßigten Fahrkarten, wie etwa durch die ÖBB-Vorteilscard oder Seniorencard." Die entsprächen dem ÖBB-Tarif und seien über die ÖBB zu beziehen.  (red, derStandard.at, 11.3.2013)

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