Fragen zur Mammografie-Genauigkeit

11. März 2013, 11:21
4 Postings

Screening-Programme verhindern Todesfälle - Rate der Überdiagnosen umstritten

Wien - Im Herbst dieses Jahres soll in Österreich das von Experten seit Jahren geforderte Brustkrebs-Screeningprogramm starten. Alle Frauen, im Alter zwischen 45 und 70, werden alle zwei Jahre zur Mammografie-Untersuchung eingeladen. Doch mit den Reihenuntersuchungen gehen auch Überdiagnosen einher. Wahrscheinlich ist deren Rate aber geringer als von  Epidemiologen angenommen, Verbesserungen sind aber trotzdem notwendig, hieß es am Freitag beim Europäischen Radiologenkongress in Wien.

Die Datenlage ist eindeutig: Poplationsbezogenes organisiertes Mammografie-Screening kann bei einer 70-prozentigen Beteiligung der infrage kommenden Frauen die Brustkrebs-Sterblichkeit um 25 bis 30 Prozent reduzieren. In Österreich wird die Diagnose eines Mammakarzinoms pro Jahr bei rund 4.600 Frauen gestellt. Es kommt zu rund 1.500 Todesfällen.

In manchen Fällen sind die bildgebenden Verfahren nicht aussagekräftig genug. Nachfolgende Biopsien und Operationen bringen mitunter gutartige Befunde. "In verschiedenen wissenschaftlichen Studien, so auch in einer von unabhängigen Experten in Großbritannien durchgeführten Untersuchung, kam man auf eine Rate an Überdiagnosen von etwa zehn Prozent," so der italienische Epidemiologe Eugenio Paci.

Niedrig maligne Tumore

Zu einem Gutteil liege das an den angewandten Methoden. So steigt die Rate an als Mammakarzinom diagnostizierten Gewebeveränderungen nach Einführung solcher Programme zunächst einmal stark an. Laut Paci ist das ein natürliches Phänomen. Gerade bei Brustkrebs könnten aber nur langfristige Untersuchungen die wahren Verhältnisse aufdecken. Der italienische Experte: "Nach zehn bis 15 Jahren sieht man epidemiologisch fast keine Überdiagnosen mehr."

"Es scheint so, als würden die Überdiagnosen vor allem kleine, langsam wachsende und niedrig-maligne Gewebeveränderungen in der Brust betreffen," so der deutsche Radiologe Ulrich Bick. Auf eine genauere Untersuchung könne man aber im Zweifelsfall nicht verzichten. Erstens würden sich manchmal auch hinter vordergründig als bloße "Verkalkungen" erkannten Veränderungen bösartige Tumoren verbergen. Zweitens existieren noch keine wirklich ausreichend genauen Prognosemöglichkeiten über den Verlauf mancher Formen des Mammakarzinoms.

Im besten Fall ließe sich vorhersagen, ob eine aufgespürte, ansonsten unauffällige Mammakarzinom-Erkrankung Einfluss auf die Lebenserwartung besitzt. Damit könnte manchen Frauen eine belastende Therapie erspart werden.  (APA/red, 11.3.2013)

  • Nach falsch-positiven Mammografie-Befunden werden mitunter unnötige Behandlungen vorgenommen.
    foto: apa/franka bruns

    Nach falsch-positiven Mammografie-Befunden werden mitunter unnötige Behandlungen vorgenommen.

Share if you care.