Stonehenge könnte Friedhof für Steinzeit-Elite gewesen sein

10. März 2013, 21:13
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Britische Archäologen datieren Ursprünge der Megalith-Struktur aufgrund von Tierknochen einer nahen Steinzeitsiedlung um 500 Jahre nach hinten

London - Britische Forscher haben am Wochenende neue Erkenntnisse und Theorien zu den Ursprüngen des berühmtesten aller prähistorischen Steinkreise vorgestellt: Noch bevor die ersten Steinquader errichtet wurden, könnte das spätere Stonehenge im Süden Englands vor mehr als 5.000 Jahren zunächst als Friedhof einer steinzeitlichen Elite gedient haben.

Der Archäologe Mike Parker Pearson vom University College glaubt, dass einige der 63 auf dem Gelände freigelegten Grabstätten wesentlich älter sind als das Monument selbst. Grabbeigaben würden die dort beerdigten Menschen als ursprünglich höher gestellte Persönlichkeiten bzw. deren Familienangehörige ausweisen, glaubt der Wissenschafter. Die ersten, kleineren Steinquader wurden schließlich um 3.000 vor unserer Zeitrechnung als Gräbermarkierungen aufgestellt, so der Forscher. In den folgenden Jahrhunderten habe sich die Bedeutung des Ortes hinsichtlich seiner Nutzung schließlich allmählich gewandelt.

Ausgrabungen in Durrington Walls nahe Stonehenge, der größten bekannten steinzeitlichen Siedlung in Nordeuropa, brachten unter anderem zehntausende Tierknochen und -zähne zutage. Analysen belegen, dass die Tiere ursprünglich zum Teil von weit her gekommen sind. Dies weist nach Ansicht von Pearson darauf hin, dass zur Errichtung der tonnenschweren Steinblöcke Menschen aus allen Teilen der Insel zusammen kamen und sich vorübergehend in Durrington Walls niederließen.

Älter als bislang angenommen

Man schätzt, dass damals nur wenige zehntausend Mensch auf der britischen Insel lebten. Aus dem Alter und der Menge der Funde schließt Pearson, dass um 3.000 vor unserer Zeitrechnung bis zu einem Zehntel der gesamten Bevölkerung herbei strömte, um gemeinsam die Megalith-Kultstätte zu errichten - also möglicherweise 500 Jahre früher als bisher angenommen.

Die Steine von Stonehenge geben den Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf. Bisher ist die gängigste Theorie für ihre Entstehung, dass Menschen schon in der damaligen Zeit den astronomischen Kalender verstanden hatten. Die Steine von Stonehenge wurden demnach auf die Sonnenwende ausgerichtet. Stonehenge ist im Weltkulturerbe der UN-Wissenschaftsorganisation UNESCO gelistet und wird als komplexester prähistorischer Steinkreis der Welt betrachtet.  (red, derStandard.at, 10.03.2013)

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    Neues von der Stonehenge-Forschung: Möglicherweise war die Megalith-Kultstätte ursprünglich ein Friedhof für hochgestellte Persönlichkeiten.

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