Italien fürchtet sich vor Anleihenauktion

10. März 2013, 19:06
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Neuerliche Abwertung der Kreditwürdigkeit belastet

Mailand - Italiens Wirtschaftsexperten befürchten, dass die Märkte zu Wochenbeginn negativ auf die neuerliche Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens seitens der US-Ratingagentur Fitch reagieren werden. Bereits in der Woche nach dem Wahlausgang Ende Februar hat der Aktienmarkt 17 Milliarden Euro verheizt. In den vergangenen Tagen kam es zu einer gewissen Beruhigung, die jedoch laut Bankvolkswirten als "Ruhe vor dem Sturm" gewertet werden könnte.

Schulden drücken

Diese Woche, am Dienstag und Mittwoch, versteigert das Finanzamt auch Staatspapiere im Wert von 15 Milliarden Euro. Nachdem das Zinsgefälle zwischen den italienischen und deutschen Staatsanleihen in den vergangenen Tagen wieder auf unter 300 Punkte sank, sei nun ein neuerlicher Renditeanstieg bei den Staatspapieren nicht auszuschließen. Die steigende Zinsdiskrepanz mit anderen Euroländern drückt nicht nur auf die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Unternehmen und lastet auf den Banken, die insgesamt 320 Milliarden Euro Staatspapiere halten. Fitch hat heuer auch einen Anstieg der italienischen Staatsverschuldung von 127 auf 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes prognostiziert.

Nach dem unklaren Wahlausgang hat die kleinste der drei US-Ratingagenturen, Fitch, die Bonitätsnote Italiens am Wochenende um eine Stufe von "A-" auf "BBB+" gesenkt. Damit liegt das Rating nur mehr drei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau.

Ungewisse politische Zukunft

Die Fitch-Analysten begründen ihre Entscheidung nicht nur mit der Rezession, die in Italien 2013 stärker ausfallen soll als in anderen Ländern. Auch die ungewisse politische Zukunft nach dem Wahlausgang habe zum Downgrading beigetragen. Zudem droht Fitch der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone mit einer weiteren Herabstufung und bewertet den Ausblick mit "negativ". Die Ratingagentur Moody's drohte ebenfalls mit einer neuerlichen Abstufung der Bonität.

Italiens Polit- und Finanzkrise dürfte auch beim Treffen der EU-Regierungschefs am Donnerstag und Freitag zur Sprache kommen. Inzwischen versucht Finanzminister Vittorio Grilli die Gemüter zu beruhigen. Er sagte, dass die Märkte mittlerweile nicht mehr wie einst auf die Abstufungen der Ratingagenturen reagieren. Positive Signale kommen von den drei Gewerkschaften, die nach jahrelangen Streitereien eine neuerliche Einigung für möglich halten. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 11.3.2013)

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