Arbeiterkammer: Ära Tumpel geht zu Ende

10. März 2013, 18:50
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Zum Abschied bekräftigt er seine Kritik an der Osterweiterung und fordert Vermögenssteuern

Wien - Am Montag und damit zwei Tage nach seinem 65. Geburtstag übergibt Herbert Tumpel das Zepter in der Arbeiterkammer. Ihm folgt der langjährige Chef der Gewerkschaft vida, Rudolf Kaske. Für seine Ära bilanziert Tumpel vor allem die stärkere Serviceorientierung der AK sowie die von der Kammer erkämpften Begleitmaßnahmen am Arbeitsmarkt im Rahmen der EU-Osterweiterung positiv. Für die Zukunft hält der scheidende Präsident Vermögenssteuern für notwendig, nicht aber eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters.

Im Net vertreten

Tumpel, bis dahin Leitender Sekretär des ÖGB, hatte sein Amt 1997 angetreten. Sein Glück war, dass trotz mancher Kritik die Kammer zu dem Zeitpunkt eindeutig legitimiert war, da sich gerade in einer Urabstimmung rund 90 Prozent für die Pflichtmitgliedschaft in der AK ausgesprochen hatten. 

"Man hat auch früher Gutes gemacht, nur haben die Leute nicht gemerkt, dass wir das waren", meint Tumpel heute. Daher wurde einerseits die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt, vor allem aber auch das Service für die Mitglieder. So verweist der scheidende Präsident auch gerne auf großteils erfolgreiche Projekte wie die "sehr starke" Ausweitung der telefonischen Beratung oder den Aufbau eines umfangreichen Internet-Angebots.

Speed kills

Politisch umstritten war Tumpel immer wieder wegen seiner Skepsis gegenüber der EU-Osterweiterung, zu der auch heute noch steht. Seine Haltung habe nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun gehabt. Das Tempo sei einfach "zu rasch" gewesen. Mit den Übergangsfristen am Arbeitsmarkt, der Entschärfung der EU-Dienstleistungsrichtlinie und dem Anti-Lohndumping-Gesetz sei es aber gelungen, dass Österreichs Arbeitsmarkt nicht überschwemmt worden sei. Tumpel geht davon aus, dass so auch die Öffnung für Rumänen und Bulgaren zu verkraften ist.

Der Präsident steht auch zu seinem Widerstand gegen die Pensionsreform unter Schwarz-Blau, hätten doch ohne Gegen-Proteste der Arbeitnehmer-Vertretung Verluste von bis zu 40 Prozent gedroht. Für die Zukunft sieht er keine Notwendigkeit, das gesetzliche Antrittsalter zu erhöhen, sondern für mehr Beschäftigung vor allem bei Älteren und Frauen zu sorgen, auch durch Prävention. Es bringe nichts, das Pensionsalter zu erhöhen, wenn die Betroffenen "zu kaputt" für die Arbeit seien oder keinen Job mehr fänden.

Kinderbetreuung sticht

Um die Arbeitslosigkeit zu senken, fordert Tumpel Investitionen in die Kinderbetreuung. Denn nur so sei es vor allem Frauen möglich, rasch in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Finanziert werden soll das über höhere Vermögenssteuern, liege man doch in diesem Bereich in Europa "ganz weit hinten". Es sei letztlich eine Frage der Gerechtigkeit, dass die wirklich Reichen etwas beitrügen, wo ihr Vermögen doch in letzter Zeit sehr stark zugenommen habe. Das sei in der Kammer Konsens aller Fraktionen.

Mit der aktuellen Regierung ist der AK-Präsident grosso modo zufrieden, habe man doch viele Vorschläge der Arbeitnehmer-Organisationen aufgenommen und so die Krise Österreich glimpflicher passieren lassen als andere Länder.

Keine offiziellen Zukunftspläne

Was Tumpel in Zukunft machen wird, gibt er noch nicht bekannt, abgesehen von seiner Tätigkeit im Universitätsrat der TU Wien. Es sei aber auszuschließen, dass er sich aus der Politik geistig oder von seinem Engagment her zurückziehe: "Fad wird mir jedenfalls nicht." (APA, 10.3.2013)

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    Herbert Tumpel (rechts) übergibt das Szepter an Rudolf Kaske.

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