Wirtex bekommt neuen Eigentümer

10. März 2013, 18:09
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Nutzmaschinen-Importeur übernimmt die insolvente Waldviertler Frottierwarenfabrik

Wien - Er brauche die Herausforderung und sei wohl ein Getriebener, sagt Rudolf Strobl. Wie jeder, der im Waldviertel aufgewachsen sei, habe er viel Bezug zur Textilindustrie. Er habe schon einen finanzstarken Betrieb aufgebaut, er sei überzeugt, dass er in den kommenden fünf Jahren auch Wirtex auf gesunde Beine stellen könne.

Strobl vertreibt finnische Kleinradlader in Österreich und Tschechien. Nun hat er die 150 Jahre alte Frottierwarenfabrik Wirtex übernommen. Das Familienunternehmen aus Waidhofen an der Thaya schlitterte im Jänner in die Insolvenz. Die Waldviertler produzierten Handtücher und Bademäntel für Hotellerie und Gastronomie.

Von Altlasten befreit

Billigimporte aus dem Ausland setzten ihnen hart zu. Erhebliche Forderungen fielen aus, für nötige Investitionen fehlte das Geld, und Abfertigungen sorgten für zusätzlichen Druck. Die Altlasten seien nun weg, sagt Strobl. Der Betrieb sei wie ein Puzzle, das am Boden liege. Er wolle die Teile wieder zusammenbauen, ändere die Prozesse und Strukturen, gehe neue Wege in der Vermarktung. Dass er sich hier auf schwierigem Parkett bewege, sei ihm klar. Niedriglohnländern könne man auch künftig keine Konkurrenz machen.

27 Dienstnehmer waren von der Pleite betroffen, mit 15 versucht er den Neustart. Ziel sei, neben dem Großhandel die Marke Wirtex zu stärken. 40 bis 45 Prozent der Produkte sollen in den Export gehen.

Waldviertler Troika

Der Betrieb ist einer von drei Frottierwarenherstellern, die sich vom Waldviertel aus gegen Vossen und die Vielzahl großer internationaler Mitbewerber stemmen. Framsohn besteht seit 1908 und vereint mit 65 Mitarbeitern alle Produktionsschritte unter einem Dach. Herka fertigt seit 86 Jahren mit 80 Mitarbeitern Handtücher. Die Kautzener erwarben heuer die frühere Eybl-Textilfärberei. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 11.3.2013)

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    Neo-Eigner Rudolf Strobl ist sich bewusst: Ohne neue Ideen kann man Niedriglohnländern auch künftig keine Konkurrenz machen.

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