EU will Aufsichtsräten Gehaltshoheit abnehmen

10. März 2013, 17:49
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Die Aktionäre selbst sollen den Topverdienern wieder stärker auf die Finger schauen, fordert EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier

Berlin - Die EU-Kommission will Exzesse bei Gehältern und Abfindungen für Topmanager mithilfe der Konzerneigner eindämmen. Bei allen an der Börse notierten Unternehmen in der Europäischen Union sollen die Aktionäre - und nicht mehr die Aufsichtsräte - ein Auge auf "die Höhe der Gehälter, inklusive goldener Handschläge" werfen müssen, so EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zur Frankfurter Allgemeinen.

Barnier will Vorschläge dazu bis zum Jahresende vorlegen. Mit einer gerechten Einkommensverteilung hätten die Vergütungen mancher Spitzenmanager nichts zu tun, kritisierte er.

Millionenreigen

Die Debatte über Managergehälter hatte durch ein erfolgreiches Referendum im Nicht-EU-Mitglied Schweiz Auftrieb erhalten. Darin votierten mehr als zwei Drittel der Bürger dafür, den Aktionären und Gesellschaftern eine größere Mitbestimmung bei Vorstandsbezügen zu geben, über die bisher die Aufsichtsräte entscheiden.

Für Diskussionen sorgten zuletzt auch Einzelfälle. So erhält Volkswagen-Chef Martin Winterkorn für das vergangene Jahr 14,5 Millionen Euro, wobei er sogar auf weitere Millionen verzichtete, die ihm eigentlich zustanden. In der Schweiz wurde hitzig über Pläne gestritten, dem zurückgetretenen Chef des Pharmakonzerns Novartis, Daniel Vasella, eine Abfindung von umgerechnet fast 60 Millionen Euro zu geben.

Nach Barniers Worten will die EU einen ähnlichen Weg wie die Schweiz gehen, nämlich die Entscheidung über Managervergütungen von den Aufsichts- und Verwaltungsräten hin zu den Eigentümern zu verlagern. Zudem will der Kommissar mehr Transparenz schaffen.

FDP kritisiert Gewerkschaften

Der deutsche FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle beklagte zwar Exzesse bei Bonuszahlungen und Gehältern, gab den Gewerkschaften aber dafür eine Mitschuld. Deren Vertreter säßen in Entscheidungsgremien und hätte hohen Boni etwa für Chefs von Dax-Unternehmen mitbeschlossen, sagte er auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin. Brüderle sprach von einem Kartell, das gebrochen werden müsse. "Es gibt manche, die Hals nicht voll genug bekommen. Nicht wenige haben einen Gewerkschaftsausweis", kritisierte Brüderle.

Selbst viele Manager sehen die Gehälter einer Umfrage zufolge kritisch. Bei einer Erhebung der Zeitung "Die Welt" und der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants unter 218 Managern äußerten 24 Prozent Kritik und forderten sogar härtere Gesetze, wie die Zeitung berichtete. Weitere 53 wollen demnach, dass Aufsichtsräte und Vorstände von sich aus verzichten. Dem ARD-Deutschlandtrend zufolge befürworten 89 Prozent der Deutschen eine Begrenzung der Managergehälter.

Im Streit über die Begrenzung von Bankerboni, für die sich die EU-Länder mit Ausnahme von Großbritannien ausgesprochen haben, hofft EU-Kommissar Barnier indes immer noch, die britischen Bedenken ausräumen zu können. "Wir werden sehen, ob im Sinne der Briten noch das eine oder andere nachzubessern ist." An der Grundlinie werde man aber festhalten. (APA, 10.3.2013)

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