Wie sich ein österreichisches Start-up in Silicon Valley behaupten kann

9. März 2013, 11:04
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"Viele glauben, man braucht fürs Silicon Valley nur eine Idee", sagt Harald Trautsch von Blue Monkeys

Mit seiner Idee einmal im Silicon Valley zu landen, ist für viele Start-ups ein Traum. Tür an Tür mit Apple, Facebook, Google und Co. Ein Traum wie jener mancher Mädchen, einmal Prinzessin zu sein. Denn - in Wirklichkeit ist alles anders. Wer an den Sprung ins kalifornische Hightech-Tal denkt, sollte die rosarote Brille zu Hause lassen.

Die Wiener Onlineagentur Blue Monkeys hat es geschafft. Seit vorigen Sommer pendelt Mitgründer Harald Trautsch zwischen Österreich und USA. In den nächsten Wochen soll die Software-Plattform everbill.com im US-Markt offiziell an den Start gehen.

Wie ist das gelungen?

Was war der Knackpunkt zum Fußfassen? "Viele glauben, man braucht für den Gang ins Silicon Valley nur eine Idee. Das ist es aber nicht. Es gibt kaum neue Ideen, nur jede Menge Bedürfnisse bzw. Probleme, die es zu lösen gilt", sagt er im Standard-Gespräch. Zum Beispiel die Suche nach einem "dodeleinfachen" und zeitsparenden Weg zum Erstellen von Rechnungen und Angeboten für ein kleines Unternehmen - das sich Blue Monkeys selbst entwickelte und das in Folge bei Geschäftspartnern auf Interesse stieß

Ohne Lust auf Entrepreneurship, sprich Unternehmergeist, sollte man ebenfalls zu Hause bleiben, meint der 40-Jährige, der mit 21 Jahren seine erste Firma startete. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, "sich vor anderen zu produzieren" und, ganz wichtig, Feedback anzunehmen und zu geben, ohne gleich beleidigt zu sein oder jemanden zu kränken. "Eine Frage der Empathie. Eine Ausbildung dazu fehlt uns in Österreich."

"80 Prozent der Start-ups im Silicon Valley sind nach einem Jahr nicht mehr im Markt."

Das potenzialverheißende Echo auf Everbill, die Go-Silicon-Valley-Initiative der Wirtschaftskammer, eine gehörige Portion und Unerschrockenheit - Blue Monkeys und Trautsch haben sie offenbar. In nur wenigen Wochen konnte die erste Finanzierung durch das Venture Capital Unternehmen 500 Start-ups sichergestellt werden. Kein Grund, sich zurückzulehnen. "80 Prozent der Start-ups im Silicon Valley sind nach einem Jahr nicht mehr im Markt. Nicht weil, sie ein schlechtes Produkt haben. Sondern weil andere besser sind", sagt Trautsch. (Karin Tzschentke, DER STANDARD/Printausgabe, 9.3.2013)

  • Silicon-Valley-Pendler Harald Trautsch.
    foto: blue monkeys

    Silicon-Valley-Pendler Harald Trautsch.

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