Umstrittener Uhuru Kenyatta neuer Präsident Kenias

9. März 2013, 15:13
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Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit international Gesuchte erreichte 50,07 Prozent - Unterlegener Odinga will Wahl anfechten

Nairobi - Der kenianische Vize-Premier Uhuru Kenyatta (51) hat die Präsidentenwahlen in Kenia im ersten Wahlgang mit der erforderlichen absoluten Mehrheit gewonnen. Dies gab die nationale Wahlkommission am Samstag bekannt. Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit international gesuchte Kenyatta sei auf 50,07 Prozent der Stimmen gekommen.

Der 51-jährige Kenyatta erhielt knapp 6,2 Millionen der abgegebenen Stimmen und knackte damit die erforderliche 50-Prozent-Hürde nur ganz knapp. Sein schärfster Kontrahent, Ministerpräsident Raila Odinga, kam auf rund 43 Prozent. Kenyatta-Fans in allen Landesteilen brachen in Jubel aus.

Der unterlegene Odinga hat die Anfechtung der Wahl angekündigt, jedoch seine Anhänger zur Ruhe und dem Respektieren des Rechtsstaates aufgerufen. In einer Erklärung am Samstag betonte er, es habe "weitverbreitete Illegalität" im Wahlprozess gegeben, der zu einer "verdorbenen" Wahl geführt habe. Allerdings könne "jede Gewalt diese Nation für immer zerstören".

2007 gab es eine Welle der Gewalt

Nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2007 hatte es eine Welle der Gewalt gegeben, weil sich zwei Bewerber jeweils zum Sieger erklärt hatten. Bei den auch ethnisch motivierten Unruhen wurden mehr als 1.000 Menschen getötet, Hunderttausende wurden in die Flucht getrieben. Kenyatta, einer der reichsten Männer Afrikas, muss sich wegen seiner Rolle bei den Ereignissen von 2007 vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag verantworten. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt.

Kenyatta will nach Angaben einer im Vorhinein verbreiteten Rede mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren. Allerdings nahm er nicht direkt auf die Vorwürfe des IStGH Bezug. Auch pries er demnach die Leistungen Odingas.

Auch am Samstag kam es zu Tumulten. Die Polizei feuerte Tränengas in Mengen von protestierenden Anhängern Odingas. "Kein Raila, kein Frieden", skandierten die aufgebrachten Kenianer, die Steine auf Polizisten und ihre Fahrzeuge im Ort Kondele am Rande der Stadt Kisumu warfen. Dort war es bereits nach dem Urnengang 2007 zu ethnischer Gewalt gekommen. (APA/Reuters, 9.3.2013)

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    Anhänger Kenyattas feiern.

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    Wahlgänger Odingas protestieren.

  • Der unterlegene Odinga hat die Anfechtung der Wahl angekündigt, jedoch seine Anhänger zur Ruhe und dem Respektieren des Rechtsstaates aufgerufen.

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