Wien: Historische Frauen- und Lesben-Kundgebung

8. März 2013, 18:45
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Erstmals waren Männer mit dabei – Die autonome Kundgebung stand im Zeichen gegen Gewalt an Frauen und in Solidarität mit Flüchtlingen und den ermordeten Kurdinnen

Wien - Die diesjährige Kundgebung der Autonomen Frauen und Lesben in Wien kann als historisch bezeichnet werden: Im Zeichen gegen Gewalt an Frauen und in Solidarität mit den drei ermordeten Kurdinnen in Paris nahmen erstmals offiziell auch Männer an der Kundgebung teil.

Die kurdische Community Wien und die feministischen Aktivistinnen verurteilten die Morde an Fidan Dogan, Leyla Söylemez und Sabine Cansiz auf das Schärfste. Cansiz setzte sich für die Rechte und die Rolle kurdischer Frauen ein und wurde Anfang Jänner, wie ihre Kolleginnen, mit Kopfschüssen quasi hingerichtet. Neben diesem Mord, wiesen die Wienerinnen in ihren Reden auch auf die jüngsten Vergewaltigungsfälle in der Wiener U-Bahn und zahlreiche Frauenmorde in Österreich hin.

Brauchen keinen männlichen, staatlichen Schutz

Kritik übten die autonomen Aktivistinnen daran, dass die breite, öffentliche Diskussion nach Vergewaltigungen "in erster Linie dazu benutzt wird, um repressive Gesetze durchzusetzen und rassistische Propaganda und Hetze zu betreiben". Die Frauen würden aber keinen männlichen oder staatlichen Schutz benötigen, sondern ein Ende der sexistischen Männergewalt, Freiheit und Gerechtigkeit für Frauen hieß es auf der Quellengasse in Wien-Favoriten.

In mehreren Reden solidarisierten sich die Frauen vor etwa 50 ZuhörerInnen mit den Flüchtlingen in ganz Europa, speziell mit jenen, die in Wien seit Wochen protestieren. "Europa schottet seine Grenzen immer mehr und immer brutaler ab; jedes Jahr sterben tausende Flüchtlinge beim Versuch nach Europa zu gelangen", meinte eine Rednerin und forderte ein Ende des "kolonialistischen Blicks, der Frauen als 'exotische Objekte' oder als 'rückständig' betrachtet".

Von Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) forderten die Aktivistinnen, nicht in die "Law and Order Trust" (UN-Fonds) zu investieren, die nur dazu dienen würden, Profite in Ländern wie Afghanistan zu sichern. Er solle zudem die Vorbereitungen für Abschiebungen stoppen. (eks, dieStandard.at, 8.3.2013)

  • Die Kundgebung der Autonomen Frauen und Lesben am Freitagnachmittag in Wien-Favoriten.
    foto: diestandard.at/eks

    Die Kundgebung der Autonomen Frauen und Lesben am Freitagnachmittag in Wien-Favoriten.

  • In Gedenken an die drei ermordeten Kurdinnen.
    foto: diestandard.at/eks

    In Gedenken an die drei ermordeten Kurdinnen.

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