CIA-Chef, aber erst im zweiten Anlauf

8. März 2013, 18:03
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US-Senat bestätigt John Brennan als neuen Chef der CIA

John Brennan hatte den Posten bereits ins Auge gefasst, da war Barack Obama noch gar nicht ins Weiße Haus eingezogen. Um sich als Direktor der CIA ins Gespräch zu bringen, beriet er 2008 schon den Präsidentschaftskandidaten Obama. Bemerkenswert, denn Brennan war bereits unter George W. Bush in der Chefetage des Geheimdienstes.

Beim ersten Anlauf klappte es nicht, nun aber ist er am Ziel, der bullige 57-Jährige aus New Jersey, der gern von seinen irischen Wurzeln redet und von der unverblümten Sprache, derer sich die Menschen im Schatten der Metropole New York bedienen. Wenn er sich als Mister Tacheles gibt, soll es jene beruhigen, die in ihm eher die graue Eminenz der Antiterrorstrategie sehen.

Brennan ist der Chef der Drohnenoffensive, die potenzielle Attentäter in Pakistan, Jemen oder Somalia ausschalten soll, ohne dass ein Richter über sie befinden kann. Dienstags trifft er sich mit dem Präsidenten, um zu entscheiden, wer getötet werden soll aus dem Dunstkreis Al-Kaidas. Er selber begründet die Angriffe damit, dass man so ohne teure Truppenkontingente Terrornester ausheben könne.

Leere Kassen

Es klingt nach einem Feldzug in der Sparvariante, den leeren Kassen Washingtons ebenso Rechnung tragend wie der Kriegsmüdigkeit der Amerikaner. Nur ändert es nichts daran, dass die Selbstherrlichkeit, mit der über Leben und Tod entschieden wird, viele verstört - sowohl linke Friedensaktivisten als auch rechte Tea-Party-Rebellen.

Brennan bekam es erst diese Woche zu spüren: Da setzte der libertäre Senator Rand Paul zu einem dreizehnstündigen Filibuster-Monolog an, um seine Ernennung wenigstens um einen Tag zu verzögern.

Und dann ist da noch das Folterkapitel der Ära Bush. Brennan war CIA-Stabschef, als das Waterboarding für Schlagzeilen sorgte. Er habe solche Methoden stets abgelehnt, verteidigt er sich. Aus der damaligen US-Führungsetage kann sich allerdings niemand an derartige Einwände erinnern.

Es war eine Zeitungsannonce, die Brennan auf die Idee brachte, sich beim Geheimdienst zu bewerben, direkt nach dem Studium der Politikwissenschaft, in dem er sich auf die Nahostregion konzentrierte und Arabisch lernte. In den 1990er-Jahren leitete er die CIA-Filiale in Saudi-Arabien, 2001 wurde er Stabschef der Spionagezentrale in Langley. Später baute er das nationale Terrorabwehrzentrum auf, bevor er 2005 kurzzeitig in die Privatwirtschaft wechselte und eine Beraterfirma leitete. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 9.3.2013)

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    John Brennan ist am Ziel seines Karriereplans.

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