Folk-Rock'n'Roller mit großen Gesten

8. März 2013, 17:49
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Die britische Folkrock-Band Mumford & Sons gastierte im Gasometer mit ihrem neuen Album "Babel" - zwei Stunden zahnloser Musik für Millionen ohne große Überraschungen und Experimente

Wien - Mumford & Sons geben sich nicht mit Zwischen- und Untertönen ab. Das britische Folkrock-Projekt um Sänger Marcus Mumford ist ganz der großen, unzweideutigen Geste verpflichtet. Die Songs sind maßgeschneiderte Hymnen. Vorhersehbar wie das Amen im Gebet sind die Höhepunkte in Form energiegeladener Männerchöre mit Bläserunterstützung gesetzt. Irgendwann hilft auch die bemerkenswerte Stimme von Mumford nicht mehr gegen eine gewisse Monotonie.

Die Kompositionen bedienen sich verschiedenster Richtungen der Folklore: In Bluegrass-Instrumentierung eignet sich die Band britische, irische und amerikanische Traditionen an, um damit Millionen zu betören. Die Frage nach der Authentizität des Unternehmens Mumford & Sons spaltet dabei von jeher die Musikkritik: Sind das nun Hipster, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren? Oder werden hier wichtige, große Gefühle in eine zeitgemäße Form gebracht? Im Gasometer legt die Band jedenfalls eine große Ernsthaftigkeit an den Tag.

Maßgeschneiderte Hymnen

Auf Brüche lässt sich Mumford nicht ein. Es ist bezeichnend, dass die Songs für Babel im Laufe der ersten Tour auf offener Bühne entwickelt wurden. Man testete, was funktionierte, um das sichere Terrain am Ende nicht mehr verlassen zu müssen. Einmal gehen die Chöre im Publikum weiter, das Angebot für ein kleines Jam-Experiment schlägt die Band aber aus. Zu unabänderlich ist die Dramaturgie des Abends. Spannender werden die Songs in der zweiten Konzerthälfte, als mit den Stücken aus dem ersten Album ein Hauch von Jazz ins Spiel kommt.

Die inzwischen mit Grammy und Brit Awards ausgezeichneten Mumford & Sons bringen Musik auf Stadiongröße, die für den kleinen Kreis gedacht ist. Sinnbild für das Aufblasen ist die Bassdrum am Fuße des Mikroständers von Mumford: Dessen Stampfen würde sich in einer Scheune in das Hollern alter Dielenbretter verwandeln, hier wird es zum saalfüllenden Puls für die Massen. Dazu präsentieren Mumford & Sons den begeisterten Fans zahnlose Texte.

Abseits von allem Politischen singen sie von Beziehungen, vom Unterwegssein - und Religion. Mumford wendet sich schon auch einmal an Jesus, wenn er nicht gerade seine Schuld am Scheitern einer Beziehung zelebriert. Und mit der wiederholten Zeile "I really fucked it up this time" ein Lichtermeer von Smartphone-Screens in Wallung versetzt.    (Roman Gerold, DER STANDARD, 9./10.3.2013)

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    Die Stimme von Marcus Mumford ist zweifellos wunderschön. Das Konzert im Gasometer war allerdings eine Gelegenheit, zu bedauern, dass er damit keine spannendere Musik macht.

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