Austern, Autos, Nostalgie

8. März 2013, 17:42
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Wie man von der US-Serie Mad Men weiß, blickt man gerne in Zeiten, da alles anders und vieles doch gleich war wie heute

Der Stoff, aus dem die britische Serie The Hour ist, ist nicht neu: Ränkespiele in einem TV-Sender (BBC) rund um ein neues Info-Format, ein Politkrimi mit mysteriösem Mordfall und mitten drinnen zwei Männer und eine Frau, bei denen sich eine Ménage-à-trois anbahnt. Das Besondere: All das spielt in den 1950er-Jahren. Und wie man von der US-Serie Mad Men weiß, blickt man gerne in Zeiten, da alles anders und vieles doch gleich war wie heute.

Nach der deutschen Erstausstrahlung auf Arte am Donnerstag hat The Hour jedenfalls neugierig gemacht. Trotz Zweifel daran, dass Frauen wie die 28-jährige Bel Rowley (Romola Garai) in den Fifties so emanzipiert waren. Man sieht Bel, ihrem jungen Freund Freddie Lyon (Ben Whishaw), den sie karrieretechnisch einholt, und dem gesetzteren Hector Madden (Dominic West) gern zu - wie sie aus alten Autos steigen, reuelos rauchen und die Suezkrise ohne Internet (!) covern. Die Story kommt langsam ohne aufdringliche Zuspitzungen in Gang. Gut gemachte Nostalgie reicht, um einen anzufixen.

Und Hector, der seinen Schirm über Frauen im Regen halten muss - das sei " pathologisch"; entschuldigt er sich. Oder Freddie: Um ihn auf den Boden zu holen, erinnert ihn Bel, er habe vor ihrer Begegnung nicht einmal eine Krawatte binden können, eine Auster gegessen oder Oscar Wilde gelesen. Mann, sind wir heute arm dran. So gesehen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 9./10.3.2013)

  • "The Hour" auf Arte.
    foto: arte

    "The Hour" auf Arte.

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