Vom Guten und vom Schlechten. Und von Windbeuteln aller Art

8. März 2013, 17:20
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Von Julya Rabinowich

Das Gute kann manchmal echt schlecht sein. Vom Guten kann einem geradezu übel werden. Vom Schlechten allerdings auch, keine Frage, aber, im Endeffekt und nüchtern betrachtet, ist es dann doch nicht egal, ob einem von etwas Gutem oder etwas Schlechtem schlecht wird.

In der einfachen Version spielen zum Beispiel Lebensmittel eine unrühmliche Rolle. Das erste, Tunfischmaki eines bekannten Zustellers, wurde in gutem Glauben sowie bestem Gewissen von mir verschlungen, um mir recht bald darauf umso intensiver klarzumachen, dass der Vertrauensvorschuss voreilig erfolgt war.

Das zweite waren russische Windbeutel. Man möge bitte von unpassenden Vergleichen absehen, wie etwa die darauffolgende Vergiftung in homöopathisch-philosophischer Denkschule im Sinne des "Gleiches mit Gleichem" zu verklären. Der Tunfisch war - vom Moment der Vergiftung aus betrachtet - recht frisch, die Windbeutel wesentlich älter. Die Windbeutel bekam ich in Russland serviert, als ich das erste Mal nach der Emigration anno 1977 in den späten Achtzigern wieder in St. Petersburg auftauchte und meine schmankerlaffine Verwandtschaft sich bemühte, Kindheitserinnerungen zu wecken.

Wie auch bei anderen Dingen, die mich berühren, neigte ich zu Maßlosigkeit und Selbstaufgabe, was sich in der Anzahl der in St. Petersburg verspeisten Windbeutel niederschlug und Stunden später in unerquicklichen Magenproblemen, Hyperventilation und darauffolgendem Notarzteinsatz. Fazit: Der Tunfisch war schlecht, die Windbeutel gut. Nichtsdestotrotz fiel ich beiden zum Opfer.

Kärnten spielt sich bei mir derzeit irgendwo zwischen Fischvergiftung und Jubelspeisen ab: Kärnten hat mein Vertrauen wiederhergestellt. Das ist gut. Erdrutschartig wurde der FPK klargemacht, wo der Barthel den Most holt bzw. was die Politik der mutmaßlichen Korruption und Vertuschung mit dem Nebeneffekt des An-die-Wand-Fahrens eines ganzen Bundeslandes bewirkt. Die Verweigerung eines Kurswechsels mit demokratieverhöhnenden Auszügen aus dem Sitzungssaal. Die ermüdende, seit vielen Jahren der Öffentlichkeit zugemutete Show wurde also abgesetzt, die Bühne ist frei für Neues.

Gut für Kärnten, schlecht für mich. Wer garantiert mir solche Dinge wie das Scheuch-Krokodil in der Drau? Wer liefert verlässlich Haarsträubendes wie Herr Dobernig, der, einen slowenischen Nachnamen tragend, sich über die echten deutschen Kärntner und die unbrauchbaren slowenischen Pseudo-Kärntner ausließ? Ein Part-of-the-Game-Theater, ja fast ein Game-of-the-Thrones, das Zeug zum Blockbuster hatte und über das sich ein Kommentar geradezu von selbst schreibt?!

Alles muss man wieder selber machen. Auch die Windbeutel.  (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 9./10.3.2013)

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