Über legendäre Unternehmer und die harte Realität

Heidi Aichinger
8. März 2013, 17:05
  • Die allermeisten sehr erfolgreichen Unternehmer haben wenig bis gar kein Geld in ihre Geschäftsidee investiert, sagt Saras Sarasvathy, Professorin an der University of Virgina.
    foto: jack mellott

    Die allermeisten sehr erfolgreichen Unternehmer haben wenig bis gar kein Geld in ihre Geschäftsidee investiert, sagt Saras Sarasvathy, Professorin an der University of Virgina.

Was macht einen Unternehmer erfolgreicher als den anderen? Was treibt deren Unternehmersinn erst richtig an? Fragen, auf die Saras Sarasvathy, Professorin an der University of Virginia, Antworten gefunden hat. Vor kurzem war sie in Wien

"Wie wird man Milliardär?", soll Microsoft Gründer Bill Gates einmal gefragt worden sein. "Indem man viele zu Millionären macht", war seine Antwort.

"Wir alle kennen die Geschichten und die Legenden von erfolgreichen Unternehmern", grinst Saras Sarasvathy, "und sie werfen einen oft sehr verklärten Blick auf die unternehmerischen Errungenschaften einiger Leuchtfiguren in der Wirtschaft." Mythen, die die quirlige Professorin an der University of Virginia und am Indian Institute of Management nicht interessieren.

"The hard way"

Vor ihrer Forscher- und Lehrtätigkeit sei sie selbst Unternehmerin gewesen und wisse, dass man es als Unternehmer meistens "the hard way" lerne und dass vieles, was an Theorien auch an Universitäten vermittelt werde, in einem basal praktischen Sinn - also im echten Leben - nicht wirklich anwendbar sei. Sara Sarasvathy war auf Einladung von "Metalogikon - Gesellschaft zur Entwicklung und Erforschung unternehmerischer und sozialer Innovation" und der WKO in Wien, um über ihre Studien und Erfahrungen zu berichten.

Was also kann man jungen Menschen, unter Umständen angehenden Unternehmern, an theoretischem Rüstzeug mit auf den Weg geben, das auf fruchtbaren Boden fallen könnte? Dies war eine der Fragen, die Sarasvathy im Zuge ihrer Forschungsarbeit rund um das Thema "Effectuation" (siehe Wissen) antrieb. Kann man das, was viele Erfahrung und Intuition nennen, überhaupt dergestalt systematisieren, um es in der Folge auch lehren zu können?

Die Zukunft mitgestalten

Und es war nicht das Was, das ihr Forschungsinteresse weckte - dazu gibt und gab es schon genug Studien -, es war das Wie, das aus ihrer Sicht Mehrwert bringen könnte. Zu ihren Ergebnissen kam sie mit einer Methode, die sie "think aloud verbal protocol" nennt. Managern und Unternehmern (mit mindestens 15 Jahren unternehmerischer Erfahrung, guter wie schlechter) wurde ein komplexer Business-Case vorgelegt, den sie zu lösen hatten - allerdings wurden sie dazu angehalten, die gesamte Zeit, während sie das taten, zu sprechen. Sarasvathy konnte ihnen auf diese Weise beim Denken zuhören und so die individuellen Wege bis zur Entscheidungsfindung nachzeichnen und analysieren, miteinander vergleichen.

Sarasvathy unterscheidet grob zwei Typen Unternehmer: Jene, die den Markt analysieren und nach Marktlücken suchen, und jene, die selbst einen Markt erschaffen. Zunächst ein Finding: Jene Unternehmer, die sich ihre Märkte selber machen (expert entrepreneurs) und in die Kategorie "effectual" fallen, glauben nicht an Marktanalysen. "Man könnte fast sagen, sie hassen sie, und sie glauben nicht an Vorhersagen. Sie gehen lieber selbst auf die Straße und auf die Menschen zu, um sie zu fragen, was sie von einem Produkt oder einer Dienstleistung halten. Sie trauen ihrer Einschätzung und Beobachtung mehr. Diese Menschen sind vollends davon überzeugt, dass man die Zukunft nicht vorhersehen kann", sagt Sarasvathy.

Beispiele wären etwa Richard Branson, Bill Gates oder eine der reichsten Frauen Chinas, die Selfmade-Milliardärin Zhang Yin. Ihr Vermögen von 4,1 Milliarden Euro hat sie mit dem Recycling von Verpackungsmaterial verdient. Saratvathy hat jene Merkmale, die diese Menschen als Unternehmer teilen, in fünf Effectuation-Prinzipien zusammengefasst:

  • "Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube am Dach." Das heißt: Beginne mit dem, was du hast und weißt und kannst, und mit jenen, die du kennst.
  • Investiere nur das, was du dir bei Verlust auch leisten kannst.
  • "Crazy-Quilt-Prinzip" (Patchwork-Decke, an der alle mitarbeiten, sich individuell einbringen). Baue dir ein Netzwerk aus Menschen auf, die an deiner Unternehmung teilhaben sollen (Stakeholder) und die du selbst aussuchst.
  • "Limonaden-Prinzip" - nach dem Motto: "Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade draus."
  • "Pilot-in-the-Plane-Prinzip". Diese Menschen sind davon überzeugt, dass sie mit ihrem Handeln die Zukunft mitgestalten ("they co-create the future").

Erfolgreiche Unternehmer wie Branson oder Zhang setzen Dynamiken in Gang, sie verhandeln, haben überdurchschnittlich hohes Durchhaltevermögen und binden potenzielle Stakeholder auch emotional in ihre Unternehmung ein, sie lassen sie teilhaben - an der Idee und letztlich auch am Erfolg. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 9./10.3.2013)

Links

www.effectuation.org

www.wko.at

www.metalogikon.com

Wissen

Effectuation bezeichnet laut Wikipedia eine eigenständige Entscheidungslogik, die von erfahrenen Unternehmern in Situationen der Ungewissheit bevorzugt eingesetzt wird. Dieser Ansatz lässt sich als Umkehrung einer kausalen Logik, die auf Vorhersage der Zukunft basiert, beschreiben. Der Effectuation-Ansatz ist ein Ergebnis einer globalen Entrepreneurship-Forschung und wurde von Saras Sarasvathy begründet und weiterentwickelt. Beispiel:

Kausale Logik: Nur das, was wir vorhersagen können, können wir steuern.

Effectuation: All das, was wir steuernd beeinflussen können, brauchen wir nicht vorherzusehen.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
und was soll der link zur wko?

die gehören ja nicht unbedingt zu den zukunftsorientierten? die gehören (als zwangsnichtvertretung) nämlich einfach weg!

scheinbar kennen sie die wko auch nur von plakaten, denn sonst wuerden sie nicht so einen unsinn schreiben. gerade im bereich jungunternehmer ist die beratung top.

>gerade im bereich jungunternehmer ist die beratung top.

Kann ich auch nicht bestätigen. Ist aber auch schon über 10 Jahre her. Wäre schön, wenn sich da was gebessert hat.

Kann ich nicht bestätigen, ist allerdings nun auch schon mehr als 15 Jahre her ...

nach der Herkunft der ersten Million fragt man nicht,

hiess es (frueher) einmal in den USA ;-)

>Was macht einen Unternehmer erfolgreicher als den anderen?<

ganz einfach
das ausmaß der skrupellosigkeit

Sie verwechseln Unternehmer mit Politiker

bzw für Österreichische Mttel- und Großunternehmen stimmt es tatsächlich, für Startup nicht
Wer nämlich im Unternhemertum nicht hart durchgreift morgen Geschichte - das gilt bei Rabatten genauso wie bei Jobs ...

Gerade viele Startups sind ziemlich skrupellos und gehen über Leichen. Ein Grund für mich mir das sehr, sehr, sehr genau zu überlegen ob ich da wirklich arbeiten will.
Klar, ich weiss schon, sind nicht alle so, aber einen Persilschein haben Startups auch nicht verdient!

Nonsens posten und das mit 78 Follower?

Spricht nicht gerade für dieses Forum!

jep

denke ich mir auch immer. Die Leute können einfach nicht differenzieren. Bei denen ist jeder böse, der zu Geld gekommen ist. Auch die, die es mit ehrlicher, kluger und harter Arbeit geschafft hat.

Solche Leute haben keine gesunde Einstellung zum Geld. An statt sich zu denken, WOW... der hat Mehwert geschaffen. Lautet die Devise bei denen "schau, wie arrogant er schaut"

Es gibt einen Unterschied zwischen (juristisch) "ehrlich" verdientem Geld und anständig erworbenem Vermögen.

Zweiteres kommt so gut wie gar nicht mehr vor.

anständig

Es gibt sehr wohl anständig verdientes Geld. Nur nicht in deiner Welt, weil du ein anderes Wertesystem besitzt.

Obs böse oder gut ist, bestimmt du, in dem du die Bedeutung fest legst.
Wenn die Frau fremdgeht sagt sich einer, endlich hat sie kein Argument mehr, um sich vor swinger club besuche zu drücken. Während ein anderer überlegt, wie er sie in Anatolien mit einer Waffe erschießen kann.

Ich verdien mein Geld auch anständig - REICH werd ich damit nicht.

Erkennen Sie den Unterschied?

...

Wie gesagt. Du musst mal wissen, dass ein Haus KEIN Vermögenswert ist, bis hin zu, was ein passives Einkommen ist und wie man es sich auf baut. Und aufhören wie die Masse, sich Neuwagen zu kaufen.

???

Ein Haus (bzw. das dazugehörige Gundstück)ist definitiv ein Vermögenswert, genauso wie Schmuck, Kunst, etc...
Einen Neuwagen hatte ich noch nie, genauso wie ein Haus, Schmuck, Kunst, etc.

finanzielle Intelligenz - ökonomische Grundregeln

Das passive Einkommen fehlt dir noch ;-)

Nein.

Ein Haus ist kein Vermögenswert. Den Fehler macht die Mittelschicht und das ist der tatsächliche Grund, warum sie immer ärmer werden.

Über Google wirst genug Informationen finden, wieso ein Haus kein Vermögenswert ist, sondern viel mehr eine Verbindlichkeit.

Es ist besser Miete zu zahlen, als Eigenheim zu besitzen.

REICH (so 100 Millionen Euro Villa oder so) geht schwer, wohlhabend bekommt man aber zusammen, wenn mans richtig anpackt.

Nein. Heutzutage nicht mehr. Nicht auf anständige Art.

Anständig heißt (für mich)z.B. : nicht durch die Dummheit/Schwäche anderer Geld verdienen, sein Geld verdienen - NICHT bekommen, usw.

Welche Jobs sind Ihrer Meinung nach anständig?

bitte nicht dermassen dumm vereinfachen.

( alle bauern sind faul und tragen gummistiefel, alle beamten sind bestechlich, alle ärzte..... etc... etc... etc... )

Eben nicht

Es gibt skrupellose und erfolgreiche Unternehmer. Aber auch jede Menge skrupellose Versager. Und andererseits sind keineswegs alle erfolgreichen Unternehmer brutale Machtmenschen.

Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube am Dach

Dieser und die restlichen Grundsätze klingen mal ganz anders als das sonst übliche "No risk - no fun"-Geschwafel das so tut als wäre hoch zocken schon so etwas wie Selbstzweck.

Für Österreich gilt das nicht

Aus Lebenserfahrung kann ich sagen, dass die als gut Geschäftsleute bezeichnet werden, die jene, die ihnen zum Erfolg verhelfen über den Tisch ziehen. Dass das nur jeweils einmal geht stört nicht. MERfolgreiche Alphamenschen finden immer wieder jemanden, dessen besonderes Können sie ausnutzen können. Das dumme österreichische Volk hilft da untertänig mit. Der Betrogene wird gemobbed und zur Unperson erklärt und pleite gemacht. Vor den Betrügern buckeln sie, weil die das Geld haben. Als @rschloch wird man in diesem Land so schnell mal reich.

Posting 1 bis 25 von 60
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.