Stückwerk Frauenförderung

8. März 2013, 17:01
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Der Fokus auf Geschlechterdiversität an der Spitze ist in Unternehmen wohl da, das Thema rumpelt aber in Einzelmaßnahmen dahin. Es fehle das strategische Konzept und bedürfe des Kulturwandels, so Studien

"Geschlechterdividende" ist der harte Terminus, unter dem der finanzielle Gewinn berechnet wird, den mehr Frauen - oder oft überhaupt Frauen - in Führungsgremien bringen. Solche Rechnungen werden Unternehmen nicht von kleinen privaten Frauengruppen vorgelegt, sondern von global tätigen Beratungshäusern, etwa von Deloitte.

Zur Erinnerung: Ein Viertel der US-Unternehmen hat gar keine Frau im Vorstand, insgesamt sind in den US-Direktorien etwa 16 Prozent Frauen vertreten - überwiegend weiße Frauen. Österreich hält bei rund 13 Prozent Frauen im Aufsichtsrat und knapp sechs Prozent in den Chefetagen der Top-200-Firmen.

Unternehmen tun zu wenig

Ja, es gibt Veränderung, beispielsweise rund 46 Prozent Frauen in den Senaten der heimischen Unis. Aber es gibt keine deutliche Geschlechterdiversität in der Wirtschaftsführung. Abgesehen vom Widerstand gegen Quoten liegt das laut Studien auch daran, dass Unternehmen nicht wirklich etwas tun: "In den meisten Unternehmen mangelt es an Programmen und konkreten Maßnahmen, die zukünftige Besetzung von Führungspositionen durch eine angemessene Anzahl an qualifiziertem weiblichem Nachwuchs sicherzustellen", so lautet die Beobachtung etwa im Women's Leadership Development Survey von Mercer, der 450 europäische Unternehmen untersucht hat.

Dass der Frauenförderung auch auf Unternehmensebene das System fehle, bescheinigt auch die Boston Consulting Group (BCG) in der Studie "Shattering the Glass Ceiling": Von 44 international agierenden Konzernen verfüge nur jedes fünfte Unternehmen über eine eigene Recruitingstrategie für Frauen, nur jedes vierte biete Jobsharing in Managementpositionen. Sukkus: Es fehle die Identifizierung der eigenen internen gläsernen Decken.

Radikaler Change nötig

"Einzelmaßnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle sind zwar wünschenswert, reichen aber nicht aus", bemerkt auch Franzeska Papargyropoulou, die Leiterin der Fraueninitiative bei Accenture Österreich. Es müsse sich die gesamte Führungskultur ändern, es gehe um Kulturwandel, der zu planen und mit Messgrößen zu unterlegen sei. Was besonders reizvoll ist für Frauen, hat Accenture in der aktuellen Frauenstudie erhoben: "Bei der Karrierenplanung sind Frauen weniger offensiv", stellt Franzeska Papargyropoulou fest.

Eine gute Arbeitsatmosphäre sei Frauen wichtiger als Männern, sagt die neue Accenture-Frauenstudie, technikbasierte Lösungen für flexibles Arbeiten seien für Frauen auch zentrale Faktoren. (ost, kbau, DER STANDARD, 9./10.3.2013)

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