Mama lernt am Wickeltisch, Papa im Büro

8. März 2013, 15:00
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Studium und Elterndasein unter einen Hut zu bekommen ist nicht leicht. Eltern mit Kind leben dabei meist klassische Rollen: Mütter widmen sich der Betreuung, der Erwerbstätigkeit gehen öfter die Väter nach

Wien - 67 Euro werden studierenden Eltern pro Monat als Zuschuss gewährt. "Ein Tropfen auf den heißen Stein" nennt Angelika Gruber (VSStÖ) vom Vorsitzteam der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) diesen Betrag, der zur Studienbeihilfe hinzukommt - dies allerdings nur, wenn man auf diese Anspruch hat. Ein Betrag, der laut der Studierendensozialerhebung nur die Hälfte der Zusatzausgaben studierender Eltern abdeckt.

Derzeit erhalten 22 Prozent der studierenden Mütter und zwölf Prozent der Väter eine staatliche Studienförderung, die häufigste Form der Unterstützung ist - aufgrund des hohen Durchschnittsalters der studierenden Eltern - das Selbsterhalterstipendium.

Die ÖH fordert eine Erhöhung des Zuschusses auf 120 Euro monatlich pro Kind. Durch die knappe Verdopplung könne die finanzielle Mehrbelastung zumindest ansatzweise kompensiert werden. Denn noch sind studierende Eltern in den allermeisten Fällen auf Unterstützung angewiesen. Anders wäre der Balanceakt nicht zu meistern.

Dreifachbelastung

Viele gehen neben der Doppelbelastung Studium und Kind, auch noch einer Arbeit nach. 55 Prozent der Mütter und 80 Prozent der Väter sind während des ganzen Semesters erwerbstätig, zumeist, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Die knappen Kinderbetreuungskapazitäten führen dazu, dass die meisten studierenden Eltern traditionelle Rollenbilder leben: In gemeinsamen Haushalten kümmern sich die Väter vermehrt um das Familieneinkommen, während Mütter sich der Betreuung widmen.

Für 13 Prozent der studierenden Eltern gestaltet sich die Situation allerdings noch schwieriger - sie sind alleinerziehend: zwölf Prozent der studentischen Mütter und ein Prozent der Väter.

Allein mit dem Kind

Zwei Drittel aller Alleinerziehenden geben in der Studierendensozialerhebung an, dass sie während des ganzen Semesters einem Beruf mit durchschnittlich 28 Wochenstunden nachgehen. Doch nicht nur die Finanzierung ihres Unterhalts gestaltet sich schwierig: Mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Studierenden kann sich außerfamiliäre Kinderbetreuung nicht leisten und ist somit auch noch, was die Kinderbetreuung angeht, vollkommen auf sich alleine gestellt.

Der Faktor Zeit wirkt sich so für alleinerziehende Eltern auf ihr Studium aus: Fast ein Drittel von ihnen kann an bestimmten Lehrveranstaltungen nicht teilnehmen, da zu der Zeit keine Kinderbetreuung angeboten wird.

Die besondere Mehrbelastung für alleinerziehende Studierende betont auch Gruber: "Gerade für Alleinerziehende ist es oft schwer, Anwesenheitspflicht und Kinderbetreuung zu vereinbaren - da kommt es leicht zu Studienverzögerungen", meint sie.

Die Hochschülerschaft schenkt dieser Gruppe daher besondere Aufmerksamkeit und fordert die Einführung des Status " Teilzeitstudierender", mit einer Anpassung der Mindeststudienzeit und aller für Beihilfen relevanten Anforderungen. Im Gegensatz zu einer Beurlaubung sollen weiter Lehrveranstaltungen besucht und Prüfungen abgelegt werden können - ein erster Schritt, um die "Rahmenbedingungen erheblich verbessern", meint Gruber. (Oona Kroisleitner und Selina Thaler, DER STANDARD, 8.3.2013)

  • Auch die Kinderuni ist eine Betreuungsmöglichkeit. Während des Semester benötigen studierende Eltern andere Plätze.
    foto: apa/neubauer

    Auch die Kinderuni ist eine Betreuungsmöglichkeit. Während des Semester benötigen studierende Eltern andere Plätze.

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