Die einfachen Mittel und ein dankbarer Boden

8. März 2013, 18:05
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Tabellenführer Austria gastiert in Wr. Neustadt. Heimo Pfeifenberger ist Trainer des aktuellen Schlusslichts und freut sich auf das ungleiche Duell. Weil beide Mannschaften den Fußball auf ihre Art leben, was durchaus lobenswert ist.

Wiener Neustadt - Es ist nicht so, dass Wiener Neustadt aus dem Vollen schöpfen kann, das geht nämlich gar nicht, das ist ein fußballerisches Oxymoron. Trainer Heimo Pfeifenberger sagt, dass "einige Spieler auf dem Weg der Besserung sind, sie kommen schön langsam auf die Beine." Vor rund eineinhalb Wochen wurde die Mannschaft von einem Grippevirus heimgesucht. Man bat die Bundesliga, das Match in Salzburg zu verschieben. Die Interessenvereinigung aller Vereine sagte "sicher nicht" , und der kleine Rest aus Wiener Neustadt hat mit Anstand und Pech 1:3 verloren.

Am Samstag kommt die übermächtige und überragende Austria zu Besuch. Pfeifenberger stellt sich die Frage, auf die seit Monaten keiner eine Antwort gefunden hat. Wie schlägt man die Austria? "Es ist das Recht eines Letzten, an die Sensation zu glauben. Passt alles zusammen und kommt das Spielglück dazu, kann das Wunder geschehen. Der Fußball lässt alles zu. Es wird von unserer Seite her ein Kampfspiel."

Und er lobt die Wiener, die 15 Partien nicht verloren und Red Bull Salzburg abgehängt haben. "Grandios, wie die Austria auftritt. Das ist ein fantastisches Kollektiv, die weitaus beste Mannschaft. Für mich stehen sie als Meister fest."

Pfeifenberger bauchpinselt Kollege Peter Stöger, der war sein Vorgänger in Wiener Neustadt. "Alle reden hier positiv über ihn. Auch ich kann nur das beste über ihn sagen. Wir kickten gemeinsam in Nationalteam. Hut ab vor seiner Leistung als Trainer. Es ist nicht selbstverständlich, dass man bei einem Großklub unter Druck solche Erfolge feiert."

Nichts bereut

Pfeifenberger gefällt es beim Kleinklub sehr. Seit seinem Engagement im Sommer 2012 "habe ich keinen Tag bereut, in Wiener Neustadt zu sein. Es ist ein dankbarer Boden." Die Mannschaft sei ein "Hammer", die Einstellung grandios. "Keiner sagt über den anderen ein schlechtes Wort. Mit einfachen Mitteln erreichen wir das Maximum."

Wobei der letzte Tabellenplatz eher ein Minimum ist, allerdings "ist das nur eine Zwischenrechnung. Es geht knapp zu, in jeder Runde ändert sich etwas." Mattersburg, Wacker Innsbruck, die Admira und eben Wiener Neustadt sind gefährdet, einen wird es treffen. "Uns aber nicht, weil wir punkten werden und keine schlechte Auslosung haben. Die Mannschaft geht an ihre Grenzen, der Reifeprozess ist gewaltig, die Hierarchie passt." Pfeifenberger führt Schlüsselspieler Peter Hlinka, Dennis Mimm, Manuel Wallner oder Christian Ramsebner an. "Die ziehen die anderen mit."

Die Austria hat nach 24 Runden 60 Zähler, Wiener Neustadt 20, der Ball ist trotzdem rund. Pfeifenberger freut sich auf das ungleiche Treffen, " dafür lebt man ja. Das sind die schönsten Aufgaben." Speziell in Wiener Neustadt. 4000 Zuschauer könnten diesmal kommen, "die Austria bringt sicher viele mit". Er wird eine erfolgsversprechende Taktik zurechtzimmern, Stürmer Philipp Hosiner wird übrigens aus zwei Gründen nicht gefesselt. "Weil es verboten ist, und weil auch alle anderen Austrianer gefährlich sind. Da macht es wenig Sinn, sich einen rauszupicken. Von so einer Qualität können wir nur träumen."

Der Träumer sagt, man habe eine gewisse Heimstärke entwickelt. "Es ist schwierig, gegen uns zu treffen." Und es sei durchaus möglich, "dass wir die ersten sind, die der Austria ein Bein stellen. Im Fußball hat es wildere Geschichten gegeben. Natürlich kann es umgekehrt sein, und wir fallen über ihre Beine." Unabhängig vom Ausgang fährt Pfeifenberger "mit Freude zum nächsten Training". (Christian Hackl, DER STANDARD, 09./10.03.2013)

Mögliche Aufstellungen und technische Daten:

SC Wiener Neustadt - FK Austria Wien (Stadion Wr. Neustadt, Samstag, 16.00 Uhr, SR Muckenhammer). Bisherige Saisonergebnisse: 0:2 (h), 0:3 (a)

Wr. Neustadt: Vollnhofer - Berger, Ramsebner, M. Wallner, Pollhammer - Hlinka - Terzic, Wolf, Offenbacher, Rakowitz - Tadic

Ersatz: Glänzer - Rottensteiner, Maak, Lenko, Freitag, Besenlehner, Hofbauer, Rauter, Bozkurt, Fröschl

Fraglich: Martschinko (nach Erkrankung)

Es fehlen: Mimm (gesperrt), Siebenhandl, Friesenbichler, Piermayr (beide verletzt)

Austria: Lindner - Koch, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Mader, Holland, A. Grünwald - Gorgon, Hosiner, Jun

Ersatz: Kardum - Rotpuller, Leovac, Dilaver, Simkovic, Kienast, Vrsic, Stankovic

Es fehlt: Barazite (Knieprobleme)

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    Heimo Pfeifenberger (46) liebt seinen Job in Wiener Neustadt. "Weil hier keiner ein schlechtes Wort über den anderen sagt."

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