Kaum Platz für Kinder im Studium

8. März 2013, 14:56
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Der Bedarf ist hoch, doch das Angebot an Plätzen für Kinderbetreuung an den Unis reicht für nicht einmal zehn Prozent der Studierenden mit Kind

Wien - Während die Anwesenheitspflicht zunehmend wichtiger für die Benotung an der Universität wird, ist Kinderbetreuung abseits der Familie weiterhin schwierig zu organisieren. Das betrifft 28.350 Studierende, neun Prozent aller Inskribierten. Für sie heißt das, sich arrangieren zu müssen und täglich einen schwierigen Balanceakt zu vollziehen - in der Dreifachbelastung von Kind, Studium und Job.

Obwohl eine große Gruppe von Studierenden betroffen ist, ist diese verhältnismäßig wenig im Gespräch. Ein Umdenken bringen die jüngst abgeschlossenen Leistungsvereinbarungen. Sie regeln das Budget, das die Unis für die Jahre 2013 bis 2015 bekommen. Der Geldgeber, das Wissenschaftsministerium, hat dieses Mal die schwierige Kinderbetreuungssituation an den Unis prominent zum Schwerpunkt gemacht.

Ein Angebot für neun Prozent

Das Ergebnis ist, dass die Universität Graz, die Wirtschaftsuniversität Wien und die Boku ihr Betreuungsangebot ausweiten werden können. Drei von 21 Universitäten ist eine schmale Bilanz angesichts dessen, dass laut Studierendensozialerhebung nur neun Prozent der Studierenden mit Kindern einen Platz in einer Betreuungseinrichtung an ihrer Hochschule finden.

Aus dem Wissenschaftsministerium heißt es, dass "etwaige Maßnahmen" zu dieser Problematik in einer von der Hochschulkonferenz eingerichteten Arbeitsgruppe behandelt werden. Bis wann ein Ergebnis vorliegt, sei noch nicht bekannt.

Im Gegensatz zu den Fachhochschulen bieten österreichweit die meisten Unis zumindest Kinderbetreuungsmöglichkeiten an. Nur durch Betreuung vor Ort ist eine bestmögliche Vereinbarkeit von Kind und Studium möglich. Doch viele Lehrveranstaltungen, wie die Hochschülerschaft (ÖH) kritisiert, werden zu Zeiten angeboten, für die es keine Kinderbetreuung gibt. Zuschüsse und Förderungen gibt es nur vereinzelt, und so sehen sich vor allem Alleinerziehende einer finanziellen Belastung ausgesetzt oder müssen Studienzeitverzögerungen hinnehmen.

Doch es gestaltet sich schwierig, den "besonders hohen" Bedarf zu decken, erklärt Martina Fröhlich, Vertreterin von Unikid, einer Plattform, über die sich die zuständigen Kinderbüros der Unis vernetzen. Keine der angefragten Einrichtungen will die Länge der Warteliste bekanntgeben.

Will man für den Nachwuchs einen solchen Betreuungsplatz, muss man sich früh darum bemühen. "Meldet man sich erst ein paar Monate vorher an, hat man keine große Chance", sagt Fröhlich - im besten Fall solle man sich gleich nach der Geburt anmelden, um einen Platz zu bekommen.

Oder sogar noch davor: Eine Anmeldung während der Schwangerschaft ist kein Kuriosum mehr. "Aufgrund der großen Nachfrage können wir für das Jahr 2014/2015 weder für die Krippe noch für den Kindergarten unverbindliche Voranmeldungen entgegennehmen (dies gilt auch für die Warteliste)", heißt es etwa auf der Homepage einer öffentlichen Einrichtung.

Brisant ist diese Problematik in vieler Hinsicht. Die häufigste Betreuungsform bleibt jene durch den Partner: 56 Prozent der Mütter und 87 Prozent der Väter nutzen diese Möglichkeit. Anders gesagt, es sind traditionelle Rollenbilder, die sich unter diesen Umständen verfestigen. (Oona Kroisleitner und Selina Thaler, DER STANDARD, 7.3.2013)

  • Das Wissenschaftsministerium hat die schwierige Kinderbetreuungssituation an den Unis zum Schwerpunkt gemacht.
    foto: dpa/pleul

    Das Wissenschaftsministerium hat die schwierige Kinderbetreuungssituation an den Unis zum Schwerpunkt gemacht.

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