Damiano Damiani 90-jährig gestorben

8. März 2013, 15:47
4 Postings

Einflussreicher italienischer Filmregisseur, international berühmt durch die von ihm angestoßene TV-Serie "Allein gegen die Mafia"

Rom - Der in den 1960er und 1970er Jahren hoch erfolg- wie einflussreiche italienische Filmregisseur Damiano Damiani ist am Donnerstag im Alter von 90 Jahren in seiner Wohnung in Rom gestorben, bestätigte seine Tochter Sibilla gegenüber italienischen Medien.

Im deutschsprachigen Raum ist sein Name primär mit einem Phänomen der TV-Geschichte verknüpft: Der von ihm 1984 mitgeschriebenen und inszenierte, als Koproduktion mit dem ZDF entstandene Rai-Uno-Sechsteiler "La Piovra" (in Übersetzung "Der Krake", ausgestrahlt als "Allein gegen die Mafia") rund um Michele Placido als Polizeikommissar im Geflecht von organisierter Kriminalität und Politik war sofort wie langfristig ein durchschlagender Erfolg. Mit dem Ausbau in eine die politischen Bezüge zugunsten von Thriller- und Melodramen-Konventionen vernachlässigende TV-Serie - neun weitere Staffeln entstanden zwischen 1986 und 2001 - wollte Damiani allerdings nichts mehr zu tun haben.

Der aus Pasiano di Pordenone in Friaul stammende Damiani hatte an der Mailänder Kunsthochschule, der Accademia di Brera, studiert.  Er betätigte sich politisch, zeichnete Comics, Werbeplakate und Poster und begann, an Dokumentarfilmen mitzuarbeiten. 1953 ging er nach Rom und lernte dort Cesare Zavattini kennen, der ihni mit dem filmischen Neorealismus bekannt machte. Nach mehreren Drehbucharbeiten hatte er sein Regiedebüt 1960 mit dem solide konstruierten Krimi "Il rossetto" ("Unschuld im Kreuzverhör").

In der Folge profilierte sich Damiani mit Literaturverfilmungen, die seit seiner Rom-Ankunft gute Bekanntschaft mit dem Ehepaar Elsa Morante und Alberto Moravia hatte ihren Anteil:  "L'isola di Arturo" ("Arturos Insel", vermarktet als "Insel der verbotenen Liebe") nach dem gleichnamigen Morante-Roman gelang sehr stimmig (Hauptpreis in San Sebastian 1962), "La noia" ("Der Überdruss" / "Die Nackte", 1963) nach Moravia weniger.

1968, mit "Il giorno della civetta" ("Der Tag der Eule") nach dem Roman von Leonardo Sciascia, fand er sein Erfolgsrezept: Franco Nero in der Hauptrolle, ein kaum entwirrbares Dickicht aus Korruption, Lokalpolitik und vertuschten Auftragsmorden als Handlung, vorangetrieben durch konzertierten Einsatz von Bildkomposition, Schnitt und Musik etwa von Morricone oder Ortolani. Mit dieser Formel kamen die langlebigen internationalen Erfolge: "Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica" ("Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert", 1971), "L'istruttoria è chiusa: dimentichi" ("Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!" 1972), "Perché si uccide un magistrato?" ("Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?", 1974). 

Spätere Selbstjustiz-Dramen Damianis fanden nicht mehr ihr Publikum, und Versuche, in internationalen Produktionen zu reüssieren (z.B. "Amityville II: The Possession", 1982), blieben solche - somit ließ der Erfolg der vereinfachten Franco-Nero-Thriller-Paraphrase "Allein gegen die Mafia" ihn bei TV-Produktionen heimisch werden. 

Ältere Werke Damianis warten auf Wiederentdeckung, etwa Ornella Mutis Kinodebüt "La moglie più bella" ("Recht und Leidenschaft", 1970), basierend auf einem harten Fall von Mafia-Frauen-Emanzipation von 1965.

 

Oder aber "Quién sabe?" ("Töte Amigo", 1966, mit Gian Maria Volonté und Klaus Kinski), ein sogenannter "Zapata Western", der im Genre-Gewand die Motivationen revolutionärer Bewegungen der "dritten Welt" behandelt.

(APA, hcl, derStandard.at, 8.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Damiano Damiani 1987 bei einer Pressekonferenz in Wien. Anlass waren Dreharbeiten für die TV-Koproduktion "Lenin: The Train" ("Der Zug"), ein Historienstück mit Ben Kingsley als Lenin auf dem Weg zur Revolution.

Share if you care.