Weltfrauentag: Ein guter Tag, um zornig zu sein

8. März 2013, 17:14
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Solange wir den Weltfrauentag feiern, solange haben wir die Probleme nicht gelöst, sagt IWF-Chefin Christine Lagarde. Dann werden wohl im reichen Teil der Welt, zu dem auch Österreich gehört, dem 102. Weltfrauentag noch sehr viele folgen. Denn hinter der Kulisse des erweiterten Textes der Bundeshymne bleibt Österreich europameisterlich, wenn es um die strukturelle Benachteiligung und die Minderbezahlung von Frauen geht.

Und das, obwohl das Thema der Gleichberechtigung in der Arbeitswelt längst kein moralisches mehr ist, sondern ein volkswirtschaftlich relevantes, vom nachhaltig besseren finanziellen Erfolg von Unternehmen mit gemischten Führungsgremien bis zum BIP-Wachstumspotenzial, wenn Vereinbarkeitsprobleme Mütter nicht mehr vom Karrierenmarkt fernhalten oder in die Teilzeit drängen. Dass in den heimischen Top-200-Firmen nur knapp sechs Prozent Frauen in den Geschäftsführungen sitzen, ist nur ein Symptom dessen, dass das ungustiöse Wort "Karrierebremse" für Frauen " Kinder" heißt. Denn, das ist auch zigfach belegt: Karriere heißt noch immer besonders viel Anwesenheit, möglichst ohne jedwede Unterbrechung. Das ist das alte männliche Modell - unter dem ja auch Männer leiden, die ihre Kinder dann halt nur sonntags sehen.

Was zu tun ist, ist seit Jahrzehnten klar: flächendeckende Angebote für Kinderbetreuung und ein Steuermodell, das berufstätige Eltern fördert, familienermöglichende Arbeitsmodelle wählen lässt. Die Forschung zum Thema ist tonnenschwer, die Ergebnisse sind allseits bekannt. Aber die Politik verharrt in Ideologien, den Unternehmen fehlt der Mut. Der Weltfrauentag ist ein guter Tag, um zornig zu sein. (Karin Bauer, 9./10.3.2013)

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    "Karrierebremse" für Frauen: Kinder.

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