Erste Notwohnung für Zwangsverheiratete

8. März 2013, 10:52
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Nach jahrelanger Forderung findet die Eröffnung im Juni statt - Platz für acht junge Frauen - Orient Express übernimmt die Betreuung

Wien - Ab Juni wird es in Wien eine Notwohnung für von Zwangsheirat betroffene Frauen geben. Zur Zeit werden die Räumlichkeiten noch adaptiert, die Beratung und Betreuung wird dann der Verein Orient Express übernehmen, teilten das Innenministerium und das Frauenministerium mit. Schätzungsweise sind jährlich 200 junge Frauen in Österreich von Zwangsheirat betroffen.

Die Frauenservicestelle Orient Express hat im Vorjahr 89 Frauen (58 Bedrohte, 31 Betroffene) zum Thema Zwangsheirat beraten und betreut. Der Verein hat in der Vergangenheit immer wieder vehement auf die Notwendigkeit der Errichtung von Notwohnungen gedrängt. Die Eröffnung ist nun für Juni 2013 vorgesehen. In einem Pilotprojekt soll sie vorerst acht jungen Frauen eine sichere Unterkunft bieten. Für die ersten eineinhalb Jahre sind rund 360.000 Euro budgetiert.

Im Regierungsprogramm verankert

"Die Notwohnung soll nicht nur Unterkunft sein. Mädchen und Frauen werden auch beraten und unterstützt, Gewalterfahrungen zu verarbeiten und hinter sich zu lassen", so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Damit soll für die jungen Frauen gleichzeitig auch eine Grundlage für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben geschaffen werden. Die Ministerin zeigte sich erfreut, dass mit der Notwohnung ein "weiteres, wichtiges Projekt" aus dem Regierungsprogramm umgesetzt wurde.

Der Verein Orient Express bietet seit zehn Jahren Intensivbetreuung und Begleitung für von Zwangsheirat betroffene Frauen an. Diese jahrelange Tätigkeit hat dazu beigetragen, dass der Verein sich als bundesweite Anlaufstelle etablierte; Prävention und Sensibilisierungsarbeit wird auch in Form von Schulworkshops in Wiener Schulen und Trainingsreihen für MultiplikatorInnen in den Bundesländern angeboten. "Unsere Mühe wurde belohnt und unsere langjährige Forderung nach einer geeigneten Unterbringungsmöglichkeit wird nun realisiert", freuen Meltem Weiland von Orient Express in einer Aussendung.

Bis zu fünf Jahre Haft

Zwangsheirat steht in Österreich unter Strafe, bei einer Verurteilung drohen bis zu fünf Jahre Haft. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erklärte: "Mit der Umsetzung des Projekts setzen wir ein deutliches Zeichen, Zwangsheirat ist in Österreich kein Kavaliersdelikt. Die Schaffung von Notwohnungen ist eine logische Konsequenz. Ich bin stolz darauf, dass wir damit den betroffenen Frauen Mut machen können, sich zu befreien." (APA, red, dieStandard.at, 8.3.2012)

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