Mehdorn wird neuer Flughafen-Berlin-Chef

8. März 2013, 15:00
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Der deutsche Verkehrsminister hievt den Ex-Air-Berlin-Chef in den Chefsessel des Skandalflughafens

Ex-Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll den Bau des Berliner Pannenflughafen BER vorantreiben. Der Aufsichtsrat teilte am Freitag überraschend mit, dass der 70-Jährige bereits am Montag sein neues Amt als Geschäftsführer des BER antreten wird. Mehdorn sagte, er werde alles tun, um die Fertigstellung des Flughafens zu beschleunigen. Der Vorsitzende des BER-Aufsichtsrats, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), präsentierte die Personalie sichtlich erleichtert. Er sei sicher, dass es Mehdorn "als Vorsitzendem der Geschäftsführung gelingen wird, den Flughafen Berlin-Brandenburg zurück in die Erfolgsspur zu führen", sagte er vor Journalisten in Berlin.

Mehdorn verfüge über eine "reiche Berufserfahrung", das Flugwesen sei ihm "wahrlich nicht fremd", sagte Platzeck weiter. Er habe die Fluggesellschaft Airberlin geführt und am Airbus mitgebaut. Auch die "politische Gemengelage" von Personen und Strukturen sei ihm geläufig. Mehdorn wurde für drei Jahre verpflichtet. Er habe bereits "vor einigen Tagen alles vertrauensvoll" mit Mehdorn besprochen, sagte Platzeck. Der Aufsichtsrat habe Mehdorn am Freitagmorgen dann offiziell zum Vorsitzenden Geschäftsführer des BER bestellt.

Auf der Suche nach Vertrauen

Mehdorn selbst sagte, er wolle sich bemühen, das Vertrauen in den Flughafen wieder herzustellen. Er wünsche sich für diese "schwierige" Aufgabe auch "Vorschusslorbeeren". Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zufolge folgt Mehdorn "auch ein Stück weit einer patriotischen Berufung", eine solche "Herausforderung von nationaler Tragweite anzupacken". Der neue Chef will aufs Tempo drücken, wie er bei seiner Vorstellung ankündigte. "Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können." Schwierigkeiten scheue er nicht: "Ich bin bekannt dafür, dass ich einen geraden Weg gehe."

"Das ist eine reizvolle Aufgabe, keine Frage", sagte Mehdorn, warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. "Ich kann auch nicht zaubern." Es gehe um eine Teamleistung. "Ich will die Mannschaft revitalisieren." In seiner neuen Funktion hat Mehdorn nicht nur Verantwortung für den Neubau, sondern auch für die alten Flughäfen in Tegel und Schönefeld. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhofft sich von Mehdorn, neuen Schwung für das Projekt. Er übernehme eine komplexe Aufgabe, die einer allein nicht schaffen werde, sagte Merkel in München. Nun müsse im Sinne einer guten Projektsteuerung alles auf den Tisch kommen, was verbessert werden muss. "Und ich kann nur jedem, der an den Projekt mitarbeitet, eine glückliche Hand wünschen." Der frühere Bahnchef Mehdorn war am Freitag als Nachfolger des im Jänner entlassenen Flughafenchefs Rainer Schwarz vorgestellt worden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte, Mehdorn habe die Unterstützung aller drei Gesellschafter - das sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Der ehemalige Chef der Deutschen Bahn und der Fluggesellschaft Air Berlin habe "in der Tat Ecken und Kanten, die wir ihm auch nicht mehr abschleifen werden", sagte Wowereit. Hier werde es sicher eine "Spannung" geben, die aber "produktiv" sei. (APA, 8.3.2013)

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