Kremsmünster: Missbrauchsopfer und Abt zusammen vor Gericht

8. März 2013, 07:27
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Abt und Prior sollen Zusagen nicht eingehalten haben - Kritik an Art der Aufarbeitung des Geschehenen

Kremsmünster/Steyr/Linz - Missbrauchsopfer des oberösterreichischen Stiftsinternats Kremsmünster und Vertreter der Ordensgemeinschaft treffen am Montag - dem dritten Jahrestag des Bekanntwerdens der Affäre - in Steyr im Gerichtssaal aufeinander. Zwei frühere Klosterschüler brachten eine Zivilklage gegen das Stift ein, weil Abt und Prior Zusagen nicht eingehalten haben sollen. Da sie mit der Aufarbeitung der Missbrauchsaffäre durch das Kloster unzufrieden sind, veranstalten einige Betroffene am 21. März ein eigenes hochkarätig besetztes Symposium zu dem Thema in Linz.

In der Zivilklage werden Forderungen in der Höhe von 20.000 Euro erhoben. Die ehemaligen Schüler sagen, Abt Ambros Ebhart und Prior Daniel Sihorsch hätten ihnen im Jänner 2012 u.a. die Errichtung eines Mahnmals auf dem Klostergelände und einen eigenen Opferfonds versprochen. Zudem hätten die Geistlichen ihre Mitwisserschaft an den Ereignissen nicht - wie angeblich angekündigt - öffentlich eingestanden.

Das Stift bestreitet, dass es diese Zusagen gegeben habe. Zu einem ersten Verhandlungstermin im Jänner waren Abt und Prior wegen einer Kapitelsitzung nicht erschienen. Die Verhandlung wurde daraufhin auf 11. März vertagt. Dann sollen auch die beiden Ordensleute vor dem Richter aussagen.

Kritik an Art der Aufarbeitung

Neben den Klägern sind einige andere Missbrauchsopfer mit der Aufarbeitung der Geschehnisse durch das Stift ebenfalls unzufrieden. Unter anderem kritisieren sie, dass ein pädagogisches Symposium zu dem Thema, zu dem das Stiftsgymnasium im Vorjahr geladen hatte, nicht mehr gewesen sei als eine gewöhnliche Lehrerfortbildung. Daher organisieren sie am 21. März eine eigene Veranstaltung im Linzer Wissensturm.

Zu den Referenten gehören u.a. die forensische Psychiaterin Heidi Kastner, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Missbrauchsopfer von Kremsmünster untersucht hat, der Historiker Michael John, Mitglied der Wilhelminenberg-Kommission, sowie der 2012 mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnete deutsche Autor Andreas Huckele. Er beschrieb in seinem unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers veröffentlichten Buch "Wie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch", was ihm und anderen Jugendlichen während der Schulzeit angetan wurde und lüftete erst später seine Identität.

Mögliche Anklage gegen Pater

Noch offen in der Causa Kremsmünster ist, ob es zu einer Anklage gegen einen ehemaligen Pater kommt. Die Staatsanwaltschaft Steyr dürfte das befürworten, wegen der heiklen Materie prüfen aber Oberstaatsanwaltschaft und Justizministerium. Eine offizielle Stellungnahme der Anklagebehörde soll es bis zur Zustellung der Anklage - bzw. der Benachrichtigung über die Verfahrenseinstellung - an den Beschuldigten nicht geben.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im März 2010 gegen drei Geistliche des Klosters Ermittlungen aufgenommen. Zwei Verfahren wurden wegen Verjährung eingestellt. Gegen acht weitere Personen - darunter drei weltliche Lehrer - gab es Anschuldigungen wegen körperlicher oder seelischer Gewalt. Sie wurden aber als strafrechtlich nicht relevant oder verjährt eingestuft. 38 ehemalige Kremsmünsterer haben sich an die Klasnic-Kommission gewandt.

Zudem meldeten sich vier Personen im Stift, die bereits in den 1950er-Jahren Opfer von Übergriffen durch drei bereits verstorbene Patres wurden. Das Stift zahlte bisher 700.000 Euro an Entschädigungen. (APA, 8.3.2013)

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