Bolschoi-Tänzer in U-Haft und teilgeständig

7. März 2013, 20:00
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Dmitritschenko räumt bezahlten Anschlag ein, nicht den Einsatz von Säure - Spekulationen im Hintergrund bleiben

Moskau  - Nach dem Säureangriff auf den Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters ist wegen Fluchtgefahr ein Haftbefehl gegen den Tänzer Pawel Dmitritschenko sowie zwei weitere Männer erlassen worden, teilte das Gericht in Moskau am Donnerstag mit.  Die Untersuchungshaft ist zunächst bis 18. April angesetzt. Der 29 Jahre alte Solist soll den Anschlag auf Sergej Filin am 17. Jänner organisiert haben. Ihm drohen bis zu zwölf Jahre Gefängnis. Dmitritschenko bestritt allerdings vor Gericht, spezifisch ein Säure-Attentat in Auftrag gegeben zu haben - sondern bloß  Prügel. 

Dmitritschenko war auf Bildern aus dem Gerichtssaal in einem Gitterkäfig zu sehen. Er soll dem Attentäter 50.000 Rubel (ca. 1.250 Euro) gezahlt haben, wie das Innenministerium mitteilte. In einem Polizeivideo hatte er eingeräumt, den Überfall organisiert zu haben. In dem am Mittwoch im russischen Fernsehen gezeigten Geständnis sagt Dmitritschenko, er "habe dieses Verbrechen angeordnet".

Motiv der Tat sei "die persönliche feindliche Beziehung" zwischen ihm und Filin "in Verbindung zu ihrer Arbeit" gewesen, erklärte die Polizei. Gegenüber dem Untersuchungs-Gericht sagte Dmitritschenko: "Ich habe keinen Auftrag gegeben, einem Menschen Schaden zuzufügen. Dass ich bestellt habe, Filin mit Säure zu überschütten, ist die Unwahrheit."  Indirekt machte er Filin für Korruption und Vetternwirtschaft am weltberühmten Musentempel verantwortlich. Bald werde alles ans Licht kommen, meinte er.

Über Probleme mit dem Ballettchef habe er auch mit dem Haupttatverdächtigen gesprochen, sagte Dmitritschenko. "Ich habe mit ihm über die Politik und die Korruption im Bolschoi geredet." Als dieser gesagt habe, er werde Filin "auf die Fresse hauen", habe er zugestimmt. "Als ich erfahren habe, was geschehen ist, dass dabei Säure im Spiel war, war ich geschockt", sagte der Tänzer. Seine Verteidigung geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter selbst die Initiative für den Anschlag mit Säure ergriffen habe.

Ballett-Kollegen kritisierten Haftbefehl

In Untersuchungshaft kamen auch zwei Männer im Alter von 32 und 35 Jahren, von denen einer Filin mit Schwefelsäure das Gesicht verätzt haben soll. Der Verdächtige, der bereits sieben Jahre seines Lebens im Gefängnis gesessen hatte, schwieg zu den Vorwürfen.

Kollegen des Ballettsolisten kritisierten den Haftbefehl. Sie vermuten, dass Dmitritschenko Opfer einer Intrige am größten Staatstheater des Landes sei - und sich unter äußerem Druck selbst belastet habe. "Sie wissen doch, wie das in unserem Land läuft", sagte der Bolschoi-Künstler Roman Denissow. Menschenrechtler beklagen immer wieder illegale Methoden bei der Polizei mit psychischem oder physischem Druck und gefälschten Beweismitteln. 

Dagegen berichteten Medien unter Berufung auf Ermittler und Informanten im Bolschoi, dass Dmitritschenko es auf den einflussreichen Posten des Ballettchefs abgesehen haben soll. Seine Gegner innerhalb des Bolschoi schilderten den Ballettstar, der unter anderem die Titelpartie in "Iwan der Schreckliche" tanzte, als "explosiv", "unkontrollierbar" und "größenwahnsinnig".

Sergej Filin wurde nach Angaben seiner Anwältin erneut in der Augenklinik in Aachen operiert. "Der Eingriff verlief gut", sagte sie der Agentur Interfax. Der 42-jährige Chef der mit 220 Tänzern größten Balletttruppe der Welt konzentriere sich auf die Heilung, um seine Arbeit im Sommer wieder aufzunehmen.  (APA, 7.3.2013)

  • Dmitritschenko beim Verhör.
    foto: ap /alexander zemlianichenko

    Dmitritschenko beim Verhör.

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