Im Dunkeln verhungern

Ansichtssache7. März 2013, 19:07
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 Im Hauptabend stand die Dokumentation "Am Anfang war das Licht" auf dem Programm.

foto: orf/thim film

Mittwochabend wurde es im ORF wunderlich. Im Hauptabend stand die Dokumentation des Ö3-Redakteurs Peter Arthur Straubinger, "Am Anfang war das Licht", auf dem Programm. In dieser beschäftigt er sich mit Menschen wie dem indischen Yogi Prahlad Jani, der seit 70 Jahren angeblich weder isst noch trinkt und somit quasi von Luft und Liebe lebt. In seinem Fall von "feinstofflicher Energie" - also Licht. Menschen, die keine Nahrung zu sich nehmen, haben nicht nur ein gewisses Risiko abzuleben, sondern naturgemäß keinen sehr regen Stoffwechsel.

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foto: orf/thim film

Insofern ist es ganz lustig, dass die Ausstrahlung des Films (immerhin von der Gesellschaft für Kritisches Denken als "herausragendster Unfug des Jahres 2010" ausgezeichnet) auf Twitter einen Sturm der Entrüstung hervorrief. Am Abend waren es bereits 700 Tweets, am folgenden Tag kam minütlich einer dazu. Darunter erhellende Hinweise auf Goethes letzte Worte "Mehr Licht!" oder die Kochsendung Lafer! Lichter! Lecker!. Ist es doch wahr?

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foto: orf/thim film

"Kann der Mensch vom Licht allein leben?" Das fragte treuherzig Christoph Feurstein in der anschließenden Diskussion. Den Lichtnahrungsgläubigen war der Moderator immer noch zu skeptisch. Er musste sich auf Facebook böse abwatschen lassen. Ob ein Todesopfer in der Schweiz, das den Film offenbar gesehen hatte, nicht Grund wäre, aufzuhören, regte Feurstein an, als wäre ihm völlig entfallen, dass man ebendiesen selbst ausgestrahlt hat. Immerhin hatte er zum Abschied einen Rat für die Zuschauer: "Glauben Sie an die Kraft Ihres Geistes, aber hören Sie nicht auf zu essen und zu trinken, und tun Sie das aber bewusst." Großer Aufwand für eine bescheidene Erkenntnis. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 8.3.2013)

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