Philosoph in der Politik

Kolumne7. März 2013, 19:05
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Philosophische Naturen stürzen bei Ausflügen in die Politik leicht ab - remember Platon!

 Nun hat in der sozialdemokratischen Lotterie also der Gefreite Gerald Klug das große Los gezogen. Hauptgewinner der ersten parteiinternen Ziehung des Jahres ist dennoch der Zivildiener Norbert Darabos. In einem Schritt einen Albtraumjob loszuwerden und im Traumjob eines Wahlkampforganisators eingesetzt zu werden - da muss neben Werner Faymann auch Frau Fortuna eingegriffen haben, andernfalls hätte sich das seit langem als unvermeidlich Erkannte womöglich noch immer nicht realisiert.

An diesem Startschuss zur Nationalratswahl im Windschatten des Landtagswahlsonntags ist jedenfalls weniger Bemerkenswertes als an der flächendeckenden Ehrfurcht vor den Ergebnissen, die der Investor Frank Stronach mit seinem Projekt einstreichen konnte. Die deckt sich annähernd mit der Ehrfurcht, die seine zusammengewürfelte Truppe dem Greis entgegenbringt, der versucht, ihr mit seinen Millionen Leben einzublasen, und die in der ebenso devoten wie verklärenden Sentenz " Frank sagt" gipfelt.

Leistungsprinzip

Vielleicht färbt da die philosophische Grundhaltung, mit der besagter Frank seine meditative Versenkung am Wahlabend begründete, auf seine Jüngerinnen und Jünger ab, galt doch schon im Mittelalter das auf Aristoteles zielende "Philosophus dixit" als ultimativer Beweis in jeder Lebenslage, der nach einigen kritischer gesinnten Jahrhunderten nur allzu lang seiner Wiederbelebung im Sinne wahrer Aufklärung harrte. Weit weniger Ehrfurcht mit dem Erreichten als die meisten Beobachter zeigte der Beobachtete selber, der die Ergebnisse trocken als "ganz beachtlich" kommentierte, aber "man erwartet sich natürlich immer mehr". Womit er, verschärft um Bestrafung durch Absenz bei den Siegesfeiern, seine Gefolgschaft wissen ließ, an der Implementierung des Leistungsprinzips wäre noch zu arbeiten.

Sein Realismus konnte andere nicht hindern, ihrer Fantasie Flügel anzupicken. So schwärmte der ehemalige Chefredakteur der Presse ebendort: "Man stelle sich vor, was er bewegen könnte, wenn er sich entschieden hätte, ernsthaft in die Politik einzusteigen." Das trifft den Punkt, wenn man einmal davon absieht, dass philosophische Naturen bei Ausflügen in die Politik leicht abstürzen - remember Platon! Nach allem, was bisher geboten wurde, liegt es weder im Charakter noch im Rahmen der Begabungen Frank Stronachs, in einer Weise in die Politik einzusteigen, die das Wort "ernsthaft" verdient. Noch immer ohne Programm, noch immer ohne eine politische Persönlichkeit, aber mit viel Geld agiert er mit seiner nach Landsknechtart requirierten Truppe als Fischer der männlichen Frustrierten, womit man in einem Land wie diesem bei jeder Wahl für ein gewisses Aufsehen sorgen kann. Aber auf Dauer kaum für mehr. Statt der zwanzig, ja dreißig Prozent, die ihm schon prophezeit wurden, erreichte er, was für ein erstes Antreten nicht schlecht ist, aber keine Sensation. Das Wunder ist zunächst ausgeblieben, und nichts spricht dafür, es werde sich in Tirol, in Salzburg oder bei der Nationalratswahl einstellen.

Wenn er dann nur nicht die Freud' verliert! Als Straches Konkurrent könnte er durchaus nützlich sein. (Günter Traxler, DER STANDARD, 8.3.2013)

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