Václav Klaus: Abschied mit Fragezeichen

7. März 2013, 18:54
4 Postings

Prag: Zeman übernimmt von Klaus Präsidentenamt

Nach zehnjähriger Amtszeit hat der tschechische Staatspräsident Václav Klaus (71) am Donnerstag die Prager Burg verlassen. Heute, Freitag, wird sein Nachfolger Milos Zeman (68) angelobt.

Als Klaus 2003 für das Amt des Staatsoberhauptes kandidierte, galt er als nahezu chancenlos. Zuvor hatte er mit den konservativen Bürgerdemokraten (ODS) die Parlamentswahl verloren und war ins politische Abseits geraten. Als Finanzminister und dann als Regierungschef hatte er seit 1989 die "Marktwirtschaft ohne Attribute" gepredigt. Nun schien seine politische Karriere am Ende.

Doch in der geheimen Abstimmung durch das Parlament konnte der Taktiker Klaus einen Teil der zerstrittenen Sozialdemokraten und der Kommunisten auf seine Seite ziehen. Klaus wurde Präsident, der linke Kandidat Zeman war geschlagen und verabschiedete sich grußlos durch die Hintertür. Zehn Jahre später zieht Zeman in der Burg ein, nachdem er die erste Volkswahl eines tschechischen Präsidenten gegen Karl Schwarzenberg gewonnen hat.

Klaus präsentierte sich in seiner Amtszeit als lautstarker Kritiker der europäischen Integration. Am Tag des EU-Beitritts wanderte er auf den Berg Blaník, unter dem laut Legende Ritter schlafen - und dann erwachen, wenn dem Land Gefahr droht. Legendär sind auch diverse Ismen wie etwa der "Humanrightismus", die Klaus im politischen Wortschatz verankerte, um sie dann umso heftiger zu bekämpfen. International am meisten Aufsehen erregte er mit der Behauptung, den Klimawandel gebe es nicht.

Auch viele Konservative folgen Klaus in manchen Punkten nicht - etwa in seiner erbitterten Gegnerschaft zum verstorbenen Ex-Präsidenten Václav Havel oder in seiner russlandfreundlichen Haltung, die mehr Nähe zu Moskau als zu Brüssel erkennen lässt. Dennoch konnte sich Klaus lange Zeit großer Popularität erfreuen. Erst seine umstrittene Neujahrsamnestie, die auch einige Korruptionsverfahren stoppte, ließ seine Beliebtheit unter die 30-Prozent-Marke rasseln und brachte ihm eine Hochverratsklage durch den Senat ein.

Dennoch wird seine Rückkehr in die tschechische Politik nicht ausgeschlossen. Klaus, so der Tenor, ist stets dann am stärksten, wenn ihn die anderen schon abgeschrieben haben. (Gerald Schubert aus Prag/DER STANDARD, 8.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ex-Konkurrent Milos Zeman (re.) folgt Václav Klaus.

Share if you care.