"Man ist den Umständen des Spiels ausgeliefert"

7. März 2013, 18:23
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Trotz des wachsenden Rückstands auf die Austria ist es bei Titelverteidiger Red Bull Salzburg recht ruhig. Trainer Roger Schmidt wird den Fußballpsychologen auspacken und die Wiener natürlich noch nicht zum Gewinn der Meisterschaft beglückwünschen

Salzburg/Wien - Roger Schmidt gratuliert der Austria sicher nicht zum Meistertitel, das wäre unseriös und voreilig. Natürlich weiß der Trainer von Red Bull Salzburg, dass ein Rückstand von 14 Zählern (bei einem Spiel weniger, aber elf Punkte minus wären immer noch ein Haufen) "eine unglaubliche Hypothek" sind, allerdings sagt er schon noch: "Abgerechnet wird immer erst am Schluss."

Nach einem 1:1 in Wolfsberg ist dem 45-jährigen Deutschen klar: "Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um einen neuen Kampf um die Meisterschaft auszurufen. Zu sagen, dass alles offen ist, wäre ein Unsinn." Also sagt er dem Standard: "Die Austria befindet sich in einer hervorragenden Ausgangsposition."

Spielmacher Kevin Kampl war am Mittwochabend nach dem Besuch in Kärnten ein seelisches, aber sprechfähiges Wrack. "Wir sind geknickt. Es wird nicht einfach, den Kopf wieder hochzuheben." Sein Trainer will/muss dafür sorgen, dass die Mannschaft rasch wieder in die Senkrechte gerät. " Der Psychologe ist gefragt."

In Salzburg ist es überraschend ruhig. Sportdirekter Ralf Rangnick hält sich dezent zurück, eine Trainerdiskussion wird nicht geführt. Schmidt, seit Sommer 2012 im Amt, freut das. "Ein gutes Zeichen. Wir sind angetreten, um etwas zu entwickeln. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Und der Verein ist es auch. Natürlich sollten es gegenwärtig ein paar Punkte mehr sein, das ist ganz klar."

"Fußball sei halt nicht so einfach, wie man glaubt"

Fußball, sagt Schmidt, sei "halt nicht so einfach, wie man glaubt. Auf Wahrscheinlichkeiten ist kein Verlass. Man ist den Umständen des Spieles ausgeliefert." Vor dem Frühjahrsstart ist man ziemlich optimistisch gewesen, man hatte trotz eines Rückstands von sieben Punkten auf die Austria die Titelverteidigung angekündigt. Die Vorbereitung ist optimal gewesen. Und dann passierte gleich die Absage in Wolfsberg, gegen Rapid gab es daheim nur ein 3:3, zwei Gegentreffer fielen in Überzahl. "Das darf natürlich nicht passieren. Wir waren nicht gut, trotzdem hätten wir gewinnen können. Die individuellen Fehler sind unser größtes Problem, phasenweise sind wir trotz Dominanz zu unkonzentriert. An der Qualität der Leute liegt es sicher nicht."

Einige Kicker fielen aus, sie wurden krank. Schmidt will das natürlich nicht als Ausrede anführen, "aber es ist Fakt. Die Austria hat keine Personalsorgen, sie konnte immer ohne Druck vorlegen. Das hat sie bisher unglaublich gut und souverän gemacht."

Salzburg möchte den zweiten Platz festigen, Rapid und Sturm Graz auf Distanz halten oder gar abhängen. Schmidt: "Diesbezüglich schaut es gut aus." Es gelte, den Zuschauerschwund zu stoppen. Auch daran glaubt der Trainer, "denn prinzipiell kommt unsere Art gut an".

Internationaler Trend

In den großen europäischen Ligen, in Spanien, Deutschland, Italien und England, ist ein Trend zu beobachten. Jeweils eine Mannschaft zieht davon, Barcelona, Bayern München, Juventus Turin und Manchester United sind die Stimmungstöter. Das winzige Österreich scheint sich dieser Entwicklung nahtlos anzuschließen. Schmidt hat keine Erklärung dafür. " Mir wäre jedenfalls lieber, wären wir der Trendsetter."

Will man Schmidt reizen, was natürlich nicht der Fall ist, könnte man über Düdelingen sprechen. Ob das Scheitern an den Luxemburgern in der Qualifikation zur Champions League möglicherweise doch langfristige Auswirkungen hatte? "Absoluter Unsinn, ich kann das nicht mehr hören."

Am Sonntag steht das Spiel bei Wacker Innsbruck an, die Austria kann bereits am Samstag in Wiener Neustadt zulegen. Die Tiroler sind übrigens im April Salzburgs Gegner im Cup-Viertelfinale. Und der Austria wird erst gratuliert, "wenn es rechnerisch vorbei ist". (Christian Hackl, DER STANDARD, 8.3.2013)

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    Roger Schmidt möchte nun den zweiten Platz festigen.

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