Ausweitungen der Kunstzonen

7. März 2013, 18:05
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Das Künstlerhaus Graz aus den 1950er-Jahren zeigt nach zweijähriger Sanierung und Neuausrichtung als Halle für Kunst und Medien junge Malerei. Im Bruseum verzaubern indes Arbeiten aus fantastischen Welten, die Günter Brus fürs Theater schuf

Graz - Es ist ein schöner Satz. Und er kann - am Beginn der Ausstellung Chat Jet - Malerei jenseits ihres Mediums platziert - auch metaphorisch gelesen werden. Für das alte, neu eröffnete Zuhause für die Kunst: " Wilkommen daheim! Schatzi", ruft das Bild, das aussieht wie ein überdimensioniertes Post-it. Solche im Alltag hingekritzelten Botschaften oder Notizen können schon mal ein "l" vermissen lassen. Stefan Sandner sammelt diese privaten Objekte und verewigt sie mit Acryl auf der Leinwand.

Kunst zwischen den Medien ist das Programm von Sandro Droschl, dem Chef des neu eröffneten Künstlerhauses. Darum trägt das Haus, das 1952 als Österreichs erster Kulturbau der Nachkriegszeit errichtet wurde, nun den Zusatz "Halle für Kunst und Medien". Der White Cube ist nach zweijähriger Sanierung, bei der die Architektur, die der Moderne verpflichtet ist, in ihrer Strahlkraft erhalten blieb, wieder einer der schönsten Kunstorte von Graz.

Menschlicher Pinsel

In der Eröffnungsschau zeigen Droschl und Chefkurator Christian Egger 27 renommierte Namen der aktuellen Malerei wie Jessica Warboys, Alex Hubbard, Alexander Wolff, Pamela Rosenkranz oder Blake Rayne. Grazer Künstler sind ebenso vertreten wie Kollegen aus New York, London, Paris, Brüssel, Köln, Wien, Berlin und Zürich. Viele von ihnen sind jung, ihre Arbeiten zeugen von Experimentierfreudigkeit und Humor.

Es sind sehr unterschiedliche Beispiele von Malerei, die ihre traditionellen Grenzen verlässt oder einfach mit dem Pinsel ihre Bedeutung und ihr Spielfeld erweitert. So schuf etwa der Schweizer Reto Pulfer aus bemalten Textilien, Blättern oder Plexiglas Höhlen und Räume im seit dem Umbau vergrößerten Keller des Hauses. Am Eröffnungsabend gab Pulfer eine kurze E-Gitarren-Performance und verbreitete charmant punkiges Flair der 1980er-Jahre.

Die Künstlergruppe Reena Spaulings verwendete in ihren Bildern Michael I bis Michael III einen gleichnamigen Freund als Pinsel. Er wurde über Leinwände gerollt. Besucher werden von diesen Bildern durch schwarze Leitungsrohre auf Abstand gehalten.

Theaterzauberer Brus

Eine zweite sehenswerte Schau wurde am Donnerstag im Bruseum in Graz eröffnet. Ausflüge auf die Bühne zeigt Arbeiten von Günter Brus fürs Theater: Kostüme, Entwürfe, Skizzen und gut erhaltene Teile von Bühnenbildern, die teils Theatergeschichte schrieben. Etwa die fantastischen Tierkostüme, die Brus 1994 für die Semperoper Dresden entwarf, oder sein Beitrag für André Hellers Rummelplatz Luna, Luna (1987) und nicht zuletzt die Tiere und das Schiff aus dem Bühnenbild für Gerhard Roths Erinnerungen an die Menschheit (1985).    (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 8.3.2013)

 "Chat Jet" bis 5. 5.
"Ausflüge auf die Bühne" bis 7. 7.

  • Der Hauptraum des wiedereröffneten Künstlerhauses. Seit Mittwoch wird es mit Malerei von 27 Künstlern bespielt.
    foto: peter

    Der Hauptraum des wiedereröffneten Künstlerhauses. Seit Mittwoch wird es mit Malerei von 27 Künstlern bespielt.

  • Eine Brus-Skizze für die Bühne, auf der 1985 Gerhard Roths "Erinnerungen an die Menschheit" gespielt wurde.
    foto: umj/lackner

    Eine Brus-Skizze für die Bühne, auf der 1985 Gerhard Roths "Erinnerungen an die Menschheit" gespielt wurde.

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