Venezuelas Opposition bringt sich in Position

7. März 2013, 17:31
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Offiziell: Rechtsanwalt Capriles kandidiert gegen Chávez Wunsch-Nachfolger Maduro

Caracas - Während das offizielle Venezuela am Donnerstag um den verstorbenen Präsidenten trauerte, hat die Opposition ihre Vorbereitungen auf den nächsten Wahlkampf begonnen und sich sehr rasch darauf geeinigt, wieder Henrique Capriles in das Rennen um die venezolanische Präsidentschaft zu schicken. Bereits im vergangenen Oktober war der 40-Jährige gegen Hugo Chávez angetreten und diesem - im Vergleich zu früheren Kampagnen - recht knapp mit 45 zu 54 Prozent der Stimmen unterlegen.

Ein Termin steht offiziell noch nicht fest, die Wahl soll jedenfalls innerhalb von 30 Tagen stattfinden. Bis dahin wird der bisherige Vize-Präsident Nicolás Maduro die Amtsgeschäfte führen. Der 50-Jährige soll auch als Kandidat für Chávez' Partei, die Vereinte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV), antreten. Chávez selbst hatte ihn zu seinem Wunschnachfolger erklärt.

Marathonläufer und Motorradfreak

In Capriles bekommt Maduro einen starken Gegner. Der Marathonläufer und Motorradfreak gilt als kluger Wahlkampfstratege und setzte schon im vergangenen Herbst Chávez erheblich zu, indem er in einem positiv besetzten Wahlkampf von Dorf zu Dorf und von Tür zu Tür zog. Nachteil für den Rechtsanwalt: Er gilt nicht gerade als begabter Redner, dies kompensierte er in der vergangenen Kampagne aber mit Zähigkeit und Engagement für die Sache.

Am Donnerstag nahmen Zehntausende Abschied von Chávez, der am Dienstag im Alter von 58 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben war. Der Leichnam des als "Vater der Nation" Verehrten wird noch bis Freitag in der Militärakademie der Hauptstadt Caracas aufgebahrt. Dort nahmen auch die Präsidenten von Argentinien, Bolivien und Uruguay an einer Gedenkfeier teil. Auch die Staatschefs aus Peru, Nicaragua, El Salvador, Brasilien und Mexiko wurden erwartet.

Am Freitag soll Chávez beigesetzt werden. Viele seiner Anhänger fordern, dass Chávez neben seinem großen Vorbild, dem Freiheitshelden Simón Bolívar, begraben wird.

Obwohl Chávez innerhalb der Gruppe der Celac-Staaten (Gemeinschaft lateinamerikanischer Staaten und der Karibik) nicht unumstritten war, würdigte die Organisation den Verstorbenen als "Motor" ihrer Idee, eine Alternative zu der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu gründen, zu denen auch die von Chávez verhassten USA gehören.  (red, DER STANDARD, 8.3.2013)

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    Künftige Wahlkampfgegner: Henrique Capriles (li.) im Jänner 2013 bei einem Treffen von Interimspräsident Nicolás Maduro (re.) mit den Gouverneuren des Landes.

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