"Shootout – Keine Gnade": Mit alter Härte und raspelrauer Stimme

7. März 2013, 18:07
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Vergnügliche Hiebe: Sylvester Stallone prügelt sich durch Walter Hills Neo-Noir "Bullet to the Head" ("Shootout - Keine Gnade")

Wien - Ein wenig überraschend ist es schon, dass US-Regisseur Walter Hill und Sylvester Stallone sich nicht schon früher über den Weg gelaufen sind. Hill, ein Genre-Revisionist mit Vorliebe für ostentativ maskuline Helden und den druckvollen Schlagabtausch, hätte für Stallone wohl Verwendung gehabt. Für beide waren die 1980er-Jahre die produktivste (und zugleich relevanteste) Zeit - jene Ära also, in der sich das Hollywood-Kino mit einem Action-Kino konsolidierte, das sich noch stark über körperliche Schauwerte definierte.

Ihrem ersten gemeinsamen Film, Bullet to the Head (dt. Shootout - Keine Gnade), haftet auch deshalb etwas Anachronistisches an. Stallone spielt den Auftragskiller Jimmy Bobo, der sein Handwerk mit unüblichem Ethos vollzieht - "I got some rules!"; als er bei einem Auftrag eine Prostituierte mit dem Leben davonkommen lässt, wird ihm dies jedoch zum Verhängnis. Kurz danach ist sein Partner tot, und Bobo geht daran, die Tat zu rächen. Unterstützung erhält er von dem asiatischen Cop Taylor Kwon (Sung Kang), der dieselben Hintermänner jagt.

Hills dramaturgisch grob geschnitzter, inszenatorisch aber so geradliniger wie fettarmer Neo-Noir will unverkennbar an frühere Buddy-Movie-Erfolge wie Nur 48 Stunden anknüpfen. Auch hier gibt ein ungleiches Duo den Ton vor. Stallone behält als abgebrühter Killer mit emotionsarmem Gesicht und raspelrauer Stimme allerdings die Oberhand. Die Komik des Films entsteht weniger durch Ironie als die Art und Weise, wie der ledergegerbte Action-Heroe sein Rollenbild übererfüllt - dieser Mann ist eben nur auf einer Seite bedruckt.

Bullet to the Head ist deshalb auch vergnüglicher als Stallones eigene Retro-Söldner-Serie The Expendables. Die Perspektive ist nicht die eines gealterten Helden, der nostalgisch zurückblickt; es ist vielmehr die eines Mannes, der nur das eine kann und nicht einsehen will, dass dies vielleicht nicht mehr genügt. Wie um das zu noch zu betonen, knallen die Hiebe und krachen die Knochen in diesem Film besonders laut.   (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 8.3.2013)

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    Sylvester Stallone als Profi-Killer in "Bullet to the Head".

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