Wifo drängt auf Bildungsreformen

7. März 2013, 16:24
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Das Personal sei für den Arbeitsmarkt zu wenig qualifiziert, so das Wirtschaftsforschungsinstitut

Wien - Österreich lag 2012 auf Rang drei der einkommensstärksten Länder in der EU. Soll das auch in Zukunft so bleiben, müsse die Politik jedoch ihre Bildungsreformen intensivieren, forderte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Donnerstag in einer Aussendung. Denn während die Wirtschaft immer stärker Personal mit mittlerer und hoher Qualifikation nachfrage, steige der Anteil an Schülern, die nicht einmal ein Mindestkompetenzniveau erreichen.

Mehr Qualifikation gefragt

Laut Untersuchungen auf Unternehmensebene ist in hochentwickelten Volkswirtschaften wie Österreich "der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften das am häufigsten wahrgenommene Innovationshemmnis, weit vor Finanzierungsproblemen", so Wifo-Forscher Jürgen Janger in seiner Analyse. In Österreich ist der Wertschöpfungsanteil von Branchen, die vergleichsweise gering qualifizierte Arbeitskräfte benötigen (Bekleidungsindustrie, Gießereien etc.) seit 1985 um rund elf Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig ist das Gewicht an Branchen, die hohe Qualifikationen erfordern (Herstellung von Werkzeugmaschinen etc.) um rund 6,5 Prozentpunkte gestiegen.

Bildung "höchste Priorität"

Im heimischen Bildungssystem gebe es indes einen "deutlich erkennbaren Trend" zu mehr Schülern, die nicht die Mindestanforderungen erfüllen, und weniger Schülern, die ein anspruchsvolles Kompetenzniveau erreichen, verweist Janger auf Österreichs Abschneiden bei internationalen Bildungsvergleichsstudien. In den vergangenen Jahren seien zwar bereits Reformen eingeleitet worden, deren Wirkung erst verzögert sichtbar werde. Doch: "Die Förderung der Qualität des Bildungssystems sollte weiterhin höchste Priorität genießen, um die weitere Wirtschaftsentwicklung zu unterstützen und den Verbleib Österreichs unter den einkommensstärksten Ländern der EU und der OECD zu sichern."

"Bildungspolitik muss steigender Nachfrage gerecht werden"

Gleichzeitig betont Janger, dass die Bildungspolitik nicht losgelöst von anderen Politikbereichen und Wachstumsfaktoren betrachtet werden dürfe. "Bildung als Ermöglicher von Innovation" sei etwa abhängig von Forschungs- und Technologiepolitik, geistigen Eigentumsrechten, Regulierungen, Unternehmensgründungen etc. Und wenn - wie derzeit in Österreich - massive Anreize geschaffen werden, damit Unternehmen in Forschung und Innovation aktiv werden, "dann muss die Bildungspolitik der in der Folge steigenden Nachfrage nach Forschern und Forscherinnen sowie Arbeitskräften gerecht werden, die über innovationsrelevante Kompetenzen verfügen". (APA, 7.3.2013)

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