Konsum braucht hierzulande mehr Land als vorhanden

7. März 2013, 14:33
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Wien - Österreich braucht für die Konsumdeckung seiner Bevölkerung neben der eigenen Agrarfläche zusätzlich etwa 13.000 Quadratkilometer außerhalb seiner Grenzen. Das entspricht beinahe der Gesamtfläche von Oberösterreich. In allen Konsumgütern ist indirekt Land enthalten, das für die Erzeugung genutzt wird. Ein neuer Bericht von Global 2000 und dem Sustainable Europe Research Institute (SERI), der am Donnerstag präsentiert wurde, zeigt den großen Landbedarf Europas.

In Bausch und Bogen

"Für die Erzeugung einer Tasse Kaffee werden 4,3 Quadratmeter Land benötigt. Für die Produktion eines Laptops braucht es eine Fläche von zehn Quadratmeter Land", nannte Lisa Kernegger, Ökologin bei Global 2000, bei der Vorstellung des Berichts zwei Beispiele für die indirekte Landnutzung. Den meisten Leuten sei gar nicht bewusst, dass man mit jedem Produkt auch ein Stück Land mitkaufe.

Betrachtet man den gesamten Bedarf an Lebensmitteln und Konsumgütern in Europa, so würden dafür jährlich etwa 120 Millionen Hektar an landwirtschaftlich genützter Fläche außerhalb der europäischen Grenzen benötigt. Damit nutze Europa auf anderen Kontinenten umgerechnet knapp 14 Mal die Fläche Österreichs für den eigenen Verbrauch.

Problem Landraub

Der steigende Landverbrauch habe neben den negativen Umweltauswirkungen, wie etwa der Überdüngung von Böden oder der Umwandlung von unberührten Wäldern in Agrarland, auch weitreichende soziale Folgen. "Es kommt zum Landraub, nationale Eliten oder Regierungen nehmen der lokalen Bevölkerung ihr Land und damit auch ihre Lebensgrundlagen weg", so Kernegger.

"Europa ist stark von den Importen aus anderen Ländern abhängig, besonders von Produkten, die in China und Indien produziert werden", sagte Stephan Lutter, Experte für nachhaltige Ressourcennutzung bei SERI und nannte als Beispiel Soja als Futtermittel für die Landwirtschaft. Einige Länder außer Europas könnten dadurch nicht einmal die Produktion für ihren eigenen Bedarf sicherstellen. Die Nachfrage in Europa stehe somit in Konkurrenz zur Selbstversorgung von Ländern anderer Erdteile. Dazu könne die europäische Import-Abhängigkeit auch zu Preisfluktuationen und Preisanstiegen führen, wie sich schon öfters zeigte.

Weniger Fleischkonsum notwendig

Um den Landverbrauch zu reduzieren, brauche es neben politischen Rahmenbedingungen, den bewussteren Konsum bei den Bürgern. "Die wahnsinnige Materialschlacht darf nicht so weitergehen", sagte Kernegger und plädierte für langlebige und recycelbare Produkte. Dazu würde weniger Fleischkonsum viel an Ressourcen sparen.

Der Bericht "Kein Land in Sicht - Wie viel Land benötigt Europa weltweit zur Deckung seines hohen Konsums" ist der dritte in der Serie von "Ressourcenreports", die Global 2000 und das in Wien ansässige Sustainable Europe Researach Institute (SERI) gemeinsam mit internationalen Projektpartnern präsentierte. (APA, 7.3.2013)

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