Kroatien folgt Slowenien in den Keller

7. März 2013, 19:29
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Hoffen auf Impulse aus Euroraum: Exporte schwächeln, der Arbeitsmarkt ist angespannt, die Unternehmen zögern bei Investitionen

Wien - Die Exporte schwächeln, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt, die Inlandsnachfrage stagniert: Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hat am Donnerstag eine düstere Konjunkturprognose für Osteuropa vorgelegt. Nach 2012 wird das Wachstum auch 2013 kaum anziehen.

Vor allem Kroatien dürfte ein schwieriges Jahr bevorstehen. Noch im November hatte das WIIW ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent für das südosteuropäische Land vorausgesagt. Nun rechnen die Experten mit einem Rückgang des BIPs um 0,5 Prozent. Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosenquote auf das höchste Niveau seit 2001 ansteigen. Seit 2008 gingen in Kroatien bereits 200.000 Arbeitsplätze verloren. Das Land leidet unter einem schwachen Inlandskonsum und mangelnden Investitionen von Unternehmen. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's haben Kroatien erst vor kurzem auf Ramschniveau abgestuft.

Einfach wird 2013 auch für Slowenien nicht, dessen Wirtschaft wie erwartet weiter schrumpfen wird. Ungarn muss heuer mit einem Nullwachstum rechnen.

Der wissenschaftliche Leiter des WIIW, Michael Landesmann, sieht überhaupt kaum Anhaltspunkte für einen Umschwung in den osteuropäischen Krisenländern: "Es gibt wenig Anzeichen, dass sich 2014 oder 2015 die Situation grundlegend verändern wird." Vielmehr gebe die unzureichend aufgearbeitete Bankenkrise Anlass dazu, der mittelfristigen Entwicklung pessimistisch entgegenzusehen.

In Tschechien, Polen und Ungarn sorgten zudem Steuererhöhungen dafür, dass die Inlandsnachfrage gebremst wurde, sagte der WIIW-Experte Vasily Astrov. In Kroatien, Serbien und Bosnien haben Sparpakete, insbesondere Lohnkürzungen und Entlassungen im öffentlichen Sektor, für einen ähnlichen Effekt gesorgt.

Deutsche Stütze

Mitverantwortlich für die Probleme ist laut Landesmann nicht zuletzt die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone: Der Euroraum ist für die Länder Osteuropas der mit Abstand wichtigste Handelspartner.

Dabei haben es Staaten wie Tschechien, Polen und Ungarn, die mit ihrer Exportindustrie stark auf das robuste Deutschland fokussieren, leichter, skizzierte Astrov. In diesen Staaten legten die Exporte stärker zu als die Ausfuhren der Balkanländer, die sich eher an den schwächelnden Märkten in Italien, Frankreich und Griechenland orientieren.

Als eine Folge der schwachen Konjunktur wird die Arbeitslosigkeit in Osteuropa auch 2013 hoch bleiben, erst bei einem mehrjährigen Wachstum von mindestens drei Prozent würde sie spürbar zurückgehen, so Astrov.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Türkei nimmt eine Sonderstellung im Bericht des WIIW ein. Ökonom Landesmann bescheinigt der Türkei eine "dynamische demografische Entwicklung". Ihr Aufstieg sei mit jenem der boomenden Volkswirtschaften Asiens vergleichbar, denen sich die Türkei in den vergangenen Jahren verstärkt zuwendete. Ein EU-Beitritt des Landes ist trotz des jüngsten Vorstoßes der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die auf intensivere Beitrittsgespräche mit dem Land pocht, in weiter Ferne. Doch genau darin würde Landesmann einen großen Impuls sehen. Die Türkei sei schließlich für viele Balkanländer ein wichtiger Absatzmarkt. (Josef Saller, DER STANDARD, 8.3.2013)

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