Anleger stoßen Gold-Fonds ab

7. März 2013, 14:22
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Schwäche des Goldpreises verunsichert: Gute Wirtschaftsnachrichten haben die Nachfrage nach dem Krisenschutz abebben lassen

Ist die Goldrally zu Ende? Die jüngste Schwäche des Goldpreises, er mit aktuell 1580 Dollar je Feinunze knapp 17 Prozent unter dem Höchststand von über 1900 Dollar aus dem Sommer 2011 steht, hat viele Anleger verunsichert. Das zeigen Zahlen vom Branchendienst EPFR zu den Zu- und Abflüssen in Gold-Fonds. Februar war mit Abstand der schwärzeste Monat für die Finanzprodukte auf das gelbe Edelmetall. Mehr als fünf Milliarden Dollar wurden abgezogen.

Passive Fonds, Exchange-Traded Fonds, die in vielen Fällen das Edelmetall physisch halten, haben ebenso mit massiven Abflüssen zu kämpfen. Das bringt den Goldmarkt in die Bredouille. Denn diese Investmentfonds waren eine wichtige Nachfragequelle für physisches Gold. Laut Daten des World Gold Council halten die Fonds knapp 2500 Tonnen Gold. Seit Anfang des Jahres mussten sie 140 Tonnen abstoßen, so viel wie noch nie. "Wenn die bisherige ETF-Nachfrage nach Gold zu einem Angebot wird, ist das ein ernstes Problem für den Goldmarkt", sagt etwa der Rohstoff-Korrespondent der "Financial Times".

Bullenmarkt am Ende?

Kein Wunder also, dass erstmals seit fünf Jahren eine ernsthafte Debatte um die Frage geführt wird, ob der Bullenmarkt bei Gold zu einem Ende gekommen ist. Banken, von Société Générale bis zu Goldman Sachs, gehen in aktuellen Analysen vom Ende aus, vor allem weil die Gefahren eines Systemkollaps in ihren Augen vom Tisch sind. Doch es ist wichtig, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Der Goldpreis ist noch immer hoch, im Vergleich zu der Zeit vor der Finanzkrise sogar sehr hoch (Chart). In Euro gerechnet ist das Edelmetall gut dreimal so teuer wie noch 2005, bei knapp 1200 Euro.

Dass Gold weiterhin recht hoch notiert, liegt auch daran, dass es keineswegs ausgemacht ist, dass die Entspannung der Finanzmärkte nach der Intervention der Europäischen Zentralbank von langer Dauer ist. Zudem bleibt die Geldpolitik in den USA, Europa und Japan sehr locker. Eine weitere Liquiditätsschwemme könnte dem Goldpreis daher Auftrieb geben, etwa wenn die US-Notenbank Fed die Bilanzsumme wie angekündigt im Laufe des Jahres von drei auf vier Billionen Dollar ausweitet.

Für Anleger stellt sich daher die Frage, warum sie Gold halten wollen: als Wette auf ein Systemversagen der Zentralbanken oder als konservatives Investment für den Werterhalt? Nassim Taleb, Essayist und Autor des Bestsellers "Der Schwarze Schwan" hat am Mittwoch beim diesjährigen Fondskongress dazu gesagt: "Gold ist für mich keine sichere Anlage. Es hat sich im Wert verdoppelt, also kann es sich auch wieder im Wert halbieren." Auch wenn seine Einschätzung nicht von allen geteilt wird, so zeigen die Abflüsse aus den Goldfonds, dass sich besonders die spekulativen Anleger aus dem Markt verabschieden. Und das bringt deutliche Korrekturen mit sich. (Lukas Sustala, derStandard.at, 7.3.2013)

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