Wie viel Land Europa außerhalb seiner Grenzen verbraucht

7. März 2013, 16:31
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Laut einer Studie beanspruchen die EU-Staaten 44 Prozent mehr Nutzfläche, als am Kontinent vorhanden ist - Ausgebeutet werden diese Ressourcen auf anderen Erdteilen

Um Europas Bedarf an Lebensmitteln und Konsumgütern zu befriedigen, werden zusätzlich zu der am Kontinent dafür beanspruchten Fläche 120 Millionen Hektar Land auf anderen Erdteilen verbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt das in Wien ansässige Sustainable Europe Research Institute (SERI) in dem von Global 2000 präsentierten Bericht "Kein Land in Sicht".

Die von EU-Staaten zusätzlich beanspruchte landwirtschaftliche Fläche entspricht etwa 14-mal der Größe Österreichs. Berechnet wird dieser auch als "virtuelles Land" oder "Land-Fußabdruck" bezeichnete Flächenbedarf nach dem Produktionsaufwand für Konsumgüter.

Mehrere Quadratmeter Land für eine Tasse Kaffee

"Für die Erzeugung einer Tasse Kaffee werden 4,3 Quadratmeter Land benötigt. Die Fertigung eines Laptops schlägt sich mit 10 Quadratmetern Land zu Buche", erklärt Lisa Kernegger, Ökologin bei Global 2000, in einer Aussendung das Konzept des "virtuellen Landes".

Verglichen mit der jeweiligen Staatsfläche verbraucht Malta mit 94 Prozent zusätzlichen Bedarfs am meisten fremdes Land, so die Studienautoren. Den geringsten "Land-Fußabdruck" aller EU-Länder weist Rumänien mit 13 Prozent zusätzlich verbrauchter Fläche auf. Österreich liegt mit 48 Prozent im Mittelfeld, der EU-Schnitt beträgt 44 Prozent.

Per Klick auf einzelne Länder wird die zusätzlich verbrauchte Landfläche in Prozentzahlen und grafisch dargestellt.

Dieser Mehrverbrauch an Ressourcen hat laut der Umweltschutzorganisation dramatische Folgen. Die negativen Umweltauswirkungen durch Waldrodungen, Pestizideinsatz und Überdüngung würden in die Erzeugerländer ausgelagert. Gleichzeitig stehe die Produktion von nach Europa exportierten Waren in direkter Konkurrenz zur Selbstversorgung der lokalen Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln.

Um den "Land-Fußabdruck" Europas zu reduzieren, sind laut Kernegger nicht nur politische Maßnahmen notwendig, sondern auch ein Wertewandel bei den Verbrauchern. "Dazu gehört insbesondere auch ein Umdenken in Sachen Fleischkonsum, da die Nutztierhaltung besonders große Flächen beansprucht“, so Kernegger. (red, derStandard.at, 7.3.2013)

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