Monte-dei-Paschi-Sprecher tot aufgefunden

7. März 2013, 17:17
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Justiz beschäftigt Tod des Kommunikationschefs der Krisenbank Monte dei Paschi

Mailand - Der Skandal bei der weltweit ältesten Bank, Monte dei Paschi di Siena (MPS), nimmt dramatische Ausmaße an. Kommunikationschef David Rossi hat sich Mittwochabend aus einem Fenster des Bankhauses in den Tod gestürzt. Staatsanwalt Nicola Marini aus Siena hat nun eine Autopsie angefordert, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Selbstmord handelt.

Der 52-jährige David Rossi leitete seit 2006 die Kommunikation von MPS und hatte eng mit Ex-Präsident Giuseppe Mussari zusammengearbeitet. Mussari steht im Verdacht des Betrugs, der Bilanzfälschung, des Insiderhandels, der Kursmanipulation und der Unterschlagung öffentlicher Dokumente. Unter Führung Mussaris kam es 2008 zur Übernahme der nordostitalienischen Banca Antonveneta. Mussari bezahlte dafür mit 9,1 Milliarden Euro einen Preis, der um rund 50 Prozent über jenem lag, den die spanische Santander Bank zwei Jahre zuvor für die Antonveneta-Übernahme an die niederländische ABN Amro zahlte.

Verdacht auf Schmiergelder

Angeblich seien Schmiergelder in die Kasse einiger Bankmanager geflossen. Des weiteren wurden Derivategeschäfte, von denen angeblich " die gesamte Bank wusste", versteckt und nicht in der Bilanz ausgewiesen. Nun klagt MPS die beiden Banken, Deutsche Bank und Nomura, die den spekulativen Derivate-Deal einfädelten, auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro Schadenersatz. Denn das Traditionshaus aus Siena ist auch durch Fehlspekulationen an den Rand des Abgrunds geraten.

Als vor gut einem Jahr die Bankenführung wechselte, ließ sich der neue Bankpräsident Alessandro Profumo den Kommunikationschef nicht nehmen. Rossi galt nicht nur als hervorragender Kommunikator, sondern kannte Italiens Traditionshaus in- und auswendig.

Vor wenigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung im Büro und in der Wohnung des Managers veranlasst, jedoch wissen lassen, dass nicht gegen Rossi ermittelt würde. Angeblich habe dieser ein Stück Papier hinterlassen, worauf geschrieben stand: "Ich habe Mist gebaut."

Vatikanbank in Verdacht

Am größten italienischen Finanzskandal aller Zeiten sind nicht nur korrupte und zum Teil unfähige Bankmanager beteiligt. Auch sollen die Vatikanbank IOR und die Sparkasse von San Marino mit von der Partie gewesen sein, um Schmiergelder zu verwalten. Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch die Banca d'Italia als Aufsichtsbehörde.

Angeblich habe diese bei MPS eine ungewöhnliche Toleranz gezeigt. EZB-Präsident Mario Draghi, der bis 2011 der Banca d'Italia vorstand, versicherte, keinerlei Aufsichtspflichten unterlassen zu haben. Zur Verantwortung wird auch Regierungschef Mario Monti gezogen, da er der Bank kürzlich eine Staatshilfe von vier Milliarden Euro zukommen ließ.

"Der Tod von David Rossi ist eine schreckliche Tragödie", teilte das Kreditinstitut am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite mit. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 8.3.2013)

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