Alte Ägypter gegen neue Asiaten

7. März 2013, 08:32
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Länder wie Ägypten verschrecken wegen politischer Instabilität Touristen, Asien gewinnt Marktanteile. Chinesen und Deutsche kämpfen um den Titel Reiseweltmeister - und Österreich spricht zunehmend deutsch

Ägypten hat eine ganze Halle allein für sich. Wer Näheres über Nilkreuzfahrten wissen will oder ein passendes Resort in Sharm el-Sheik sucht, wird noch freundlicher als sonst begrüßt. Interessenten bekommen nicht nur kompetente Auskunft in entspanntem Ambiente, wahlweise wird auch Tee oder Kaffee gereicht.

Es ist ITB-Zeit. Die Internationale Tourismusbörse, weltgrößter Tummelplatz für alles, was mit Urlaub zu tun hat, ist ein Gradmesser, wie es der Tourismuswirtschaft rund um den Globus geht. An und für sich sehr gut, wenn man sich die Zahlen der Welttourismusorganisation vor Augen führt. Allein im Vorjahr ist die Zahl der Reisenden um 3,8 Prozent auf erstmals mehr als eine Milliarde gestiegen. Schon in sieben Jahren, so die Prognose der UN-Tourismusorganisation, dürften sich jährlich 1,7 Milliarden Menschen auf die Reise machen.

Innerhalb der Tourismusindustrie aber bleibt kein Stein auf dem anderen. Ägypten - ein Land, dem noch vor wenigen Jahren eine große touristische Zukunft vorhergesagt wurde - liegt am Boden. "Wir können nur zuwarten und hoffen, dass sich die Situation nach den Wahlen endlich bessert", sagte Emad Adly Mikhael, Präsident des Tourismuskonzerns Elegant Group, dem STANDARD. "Notfalls muss ab Juli das Militär einschreiten und für Ordnung sorgen."

Der Konzern mit Sitz in Kairo betreibt eigene Hotels - unter anderem am Roten Meer -, Kreuzfahrtschiffe auf dem Nil und einen Limousinenservice. Die Zukunft des Landes stehe auf dem Spiel, echauffiert sich der Präsident der Gruppe. Schließlich sei die Tourismusindustrie über viele Jahre der drittwichtigste Devisenbringer Ägyptens nach dem Suez-Kanal sowie dem Öl- und Gasgeschäft gewesen. Mikhael: "Das muss wieder so werden."

Einig sind sich die Touristiker, dass Asien in den nächsten Jahren den angestammten Märkten auf und davon marschieren wird. Beim Match um den Titel Reiseweltmeister gibt es schon jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Deutschland und China. Schon nächstes Jahr dürften die Chinesen an die Spitze stürmen.

Österreichs Tourismuswirtschaft profitiert in dem sich radikal wandelnden Umfeld von der Wiederentdeckung und Wertschätzung heimischer Berge, Seen und Städte von deutschen Urlaubsgästen. "Es ist uns eine Drehung des Trends gelungen", spielte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Mittwoch im Rahmen der Tourismusmesse auf den gestoppten Abwärtstrend an. Die Zahl der Ankünfte deutscher Gäste in Österreich hat sich im Vorjahr um 4,7 Prozent auf 11,4 Millionen erhöht. Von den 49,6 Millionen Nächtigungen aus dem Nachbarland entfielen 11,2 Millionen allein auf Bayern.

Die Österreich Werbung (ÖW) will nun durch intensives Marketing nachhelfen, dass die Renaissance Österreichs am deutschen Markt anhält. Sieben Millionen Euro sollen laut ÖW-Chefin Petra Stolba heuer in Deutschland investiert werden, um insbesondere Familien (Haupturlaub) und Zwischendurchreisende (Städtetrips) nach Österreich zu locken.

"Wenn es uns heuer gelingt, das Rekordergebnis von 2012 zu halten, ist das allemal ein Erfolg", sagte Mitterlehner. (Günther Strobl aus Berlin, DER STANDARD, Printausabe, 7.302013)

Informationen: ITB Berlin 2013

  • Die goldene Maske des ägyptischen Pharaos Tutenchamun hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Touristiker hoffen auf Stabilität.
    foto: epa

    Die goldene Maske des ägyptischen Pharaos Tutenchamun hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Touristiker hoffen auf Stabilität.

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