Thirty Dancing auf Mahé

7. März 2013, 16:58
4 Postings

Dreißigfingermassage, maßgeschneiderter Service und Walhai-Patenschaften: Das Maia-Resort auf Mahé setzt mit originellen Ideen auf Distinktionsgewinn

Mahé, die größte Insel der Seychellen, ist der richtige Ort für Luxusprobleme. Die Destination, die sich aufgrund des ganzjährig gleichbleibend schönen Wetters (27-28 Grad) in Verbindung mit Palmenwäldern und Traumstränden paradiesisch rühmen darf, leidet an einem gewissen Überangebot an Fünf-Sterne-Unterkünften. Deshalb stehen der französische Hoteldirektor des Maia Luxury Resort, Frédéric Vidal, und seine Frau Silvia seit 2006 vor einer kniffligen Aufgabe: Wie macht man einen Ort, an dem die meisten Menschen schon ob seiner natürlichen Qualitäten ein erhabenes Gefühl überkommt, noch attraktiver? Wie gelingt es einem also, sich von ähnlichen Erholungsangeboten noch ein klein wenig abzusetzen?

"Kunden, die schon alles haben", erklärt Vidal seine eigentlich ganz einleuchtende Philosophie, "kann man nur mit Emotionen treffen." Wo alles schön ist, benötigt man also Erlebnisse, die das Selbstverständnis des Besuchers berühren. Deshalb gibt es im Maia-Resort nicht einfach nur Villen in Hanglage inmitten tropischer Pflanzenwelt mit Panoramablick aufs Meer oder direktem Zugang dorthin samt Swimmingpool und privater Bar - in der man sich den Champagner (oder auch den Fruchtcocktail) nachfüllen kann -, sondern eben auch einen Butler.

Wer dabei an einen steifen, distinguierten Herrn nach Vorbild von Anthony Hopkins in der Literaturverfilmung Was vom Tage übrig blieb denkt, hat allerdings das falsche Bild im Kopf. Fast alle Butler im Maia-Resort stammen aus asiatischen Ländern wie Sri Lanka oder Indonesien und bewegen sich, in luftige Baumwollhemden gekleidet, unauffällig im Hintergrund. Für einen mit dieser Dienstleistung Unvertrauten ist die Nähe zu den Angestellten ein wenig gewöhnungsbedürftig - vielleicht auch aufgrund eines gewissen kolonialistischen Nachhalls.

Doch die meisten Kunden des Maia-Resorts, darunter Monarchen und Filmstars, sind Bedienstete im Haushalt ohnehin gewöhnt, und sie wissen es zu schätzen, wenn jemand ihre Vorlieben antizipiert. Tatsächlich hat es etwas für sich, von einem langen Tag am Meer in seine Villa zurückzukehren und dort bereits mit einem heißen Bad im Freien erwartet zu werden - mitsamt den Aloe-Vera-Blättern, die gegen den Sonnenbrand bereitliegen. Viele Gäste, erzählt Vidal, würden zurückkommen und sich denselben Butler wünschen; manche stimmen ihre Reise gar schon direkt mit diesen ab.

Der Butlerservice ist aber nur eines der Angebote, mit denen das Resort sich von der Konkurrenz abheben möchte: Seit Oktober 2012 bietet man fünf "Einmal-im-Leben-Erfahrungen" an - man beachte: Tiefgestapelt wird auf den Seychellen nicht. Die Patenschaft für einen Walhais, den man per GPS durch die Weltmeere verfolgen kann, gehört dazu - diese kostspielige Variante haben wir ausgelassen; die "Thirty Dancing Fingers"-Massage findet im hauseigenen Spabereich statt, wobei "nur" zwanzig Finger mit der Behandlung des Körpers beschäftigt sind, die restlichen zehn tanzen auf einer Flöte. Angesichts der akustischen Naturkulisse von Urwaldlauten muss dies bereits als Ausschweifung gelten.

Geneviève Rioux, die franco-kanadische Flötistin, ist in einer raren Doppelfunktion zugleich auch die Sommelière des Resorts. Sie betreut das Wine-Sign-Programm, einen Blindtest-Bewerb von Weinen aus der Sammlung des Hauses. Das fordert nicht nur dem Gaumen, sondern auch dem Wortschatz einiges ab, gilt es doch, die edlen Tropfen auch zu beschreiben und zu bewerten.

Ob Weine oder kulinarische Spezialitäten - das Maia-Resort verfügt gleich über sechs Chefs, die diverse Küchen abdecken, sich aber besonders auf die lokalen Currys verstehen -, die Maxime des Hauses lautet, einfach jeden Wunsch zu erfüllen. Dabei geht man mit den eigenen Vorzügen geradezu verhalten um. Luxus definiert sich aber nicht überall so unaufdringlich: Entdeckungsfreudige benutzen hier den Haushelikopter oder eine Yacht aus den 1960er-Jahren.

"Eine perfekte Erdbeertorte gelingt vielleicht einmal", sagt Vidal. Er möchte sie aber jeden Tag makellos hinkriegen. Wem diese Ambitionen in Richtung Maßlosigkeit zu viel werden, kann natürlich jederzeit auch auf eigene Faust das Inselleben entdecken - Mahé, das vergisst man hier leicht einmal, verfügt auch über eine kreolische Alltagskultur abseits der Luxusprobleme. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, Rondo, 8.3.2013)

Informationen: www.maia.com.sc

  • Die Villen des Maia-Resorts liegen inmitten von tropischer Pflanzenwelt versteckt - hier versucht man Luxus ostentativ mit Understatement zu vermitteln.
    foto: maia

    Die Villen des Maia-Resorts liegen inmitten von tropischer Pflanzenwelt versteckt - hier versucht man Luxus ostentativ mit Understatement zu vermitteln.

  • Panoramablick vom eigenen Pool: Das Meer liegt einem in diesem Hotel zu Füßen.
    foto: maia

    Panoramablick vom eigenen Pool: Das Meer liegt einem in diesem Hotel zu Füßen.

Share if you care.