Gespannte Ruhe in Venezuela

6. März 2013, 18:58
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Interimspräsident Maduro ruft siebentägige Staatstrauer aus - Militär in Alarmbereitschaft - große Trauerkundgebungen

Caracas/Puebla - "Ich klammere mich an Christus und vertraue meinen Ärzten und Krankenschwestern. Immer bis zum Sieg! Wir werden leben und siegen!" So lautet der letzte Tweet von Venezuelas Präsident Hugo Chávez vom 18. Februar. In den zwei darauffolgenden Wochen hatte es wiederholt Berichte über eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands gegeben.

Die Regierung leugnete zunächst, doch Dienstagabend gab es keine Ausflüchte mehr: In Weiß gekleidet und umgeben von Ministern und Militärs trat Vizepräsident Nicolás Maduro vor die TV-Kameras: "Wir müssen unserem Volk die schlimmste und tragischste Nachricht übermitteln. Um 16.25 Uhr starb unser Präsident und Kommandant Hugo Chávez Frías." Der von der Regierung zum Interimspräsidenten ernannte Maduro verhängte eine siebentägige Staatstrauer. Auch die Streitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Zunächst blieb die Lage im Land aber ruhig.

Nach Bekanntwerden der Todesnachricht ging ein Aufschrei durch die Armenviertel von Caracas; tausende Anhänger versammelten sich auf der zentralen Plaza Bolívar und zu einem Gottesdienst vor dem Militärkrankenhaus in Caracas, in das der 58-jährige Chávez vor zwei Wochen aus Havanna kommend eingeliefert worden war. Am Mittwoch wurde der Sarg in einer Prozession durch die Hauptstadt gefahren, danach sollte der Leichnam aufgebahrt werden. Das Staatsbegräbnis, zu dem zahlreiche lateinamerikanische Staatschefs erwartet werden, soll am Freitag stattfinden.

"Chávez lebt!"

Aufseiten der Regierung war Nervosität zu spüren: Zwei Militärattachés der US-Botschaft wurden schon am Dienstag wegen " Destabilisierungsversuchen" ausgewiesen. Maduro deutete zudem an, Chávez' Krankheit sei "provoziert" worden, und kündigte eine wissenschaftliche Kommission zu dem Thema an. Ein Sprecher des US-Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe als absurd.

In den staatlichen Medien wurde die Parole "Chávez lebt, der Kampf geht weiter!" eingeblendet. Im Namen der Streitkräfte schwor Verteidigungsminister Admiral Diego Molero der Revolution die Treue und rief die Venezolaner zur Einheit auf - "angefangen bei den Streitkräften selbst". Die von Chávez eingesetzte Hauptstadtverwalterin, Jacqueline Faría, erklärte, Chávez habe sich für das Volk aufgeopfert; sein Erbe sei es, Venezuela weiter voranzuführen auf dem Weg in den Sozialismus.

Oppositionsführer Henrique Capriles rief zur Ruhe auf. "Dies ist die Stunde der Einheit und des Friedens, und auch wenn viele sich jetzt fragen, wie es weitergehen wird, darf die Angst nicht die Oberhand gewinnen." Der 40-Jährige, der Chávez bei den Wahlen im Oktober unterlegen war, gilt als aussichtsreichster Kandidat der Opposition gegen Maduro.

Chávez hatte sich vor dem Votum als "geheilt" bezeichnet, konnte die Amtszeit aber wegen einer neuen Krebs-OP nicht mehr antreten. Innerhalb von 30 Tagen müssen nun Neuwahlen angesetzt werden. (Sandra Weiss/DER STANDARD, 7.3.2013)

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    Der Sarg des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Chávez wurde am Mittwoch durch die Hauptstadt Caracas gefahren

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