Tojner hilft Bank Austria schrumpfen

6. März 2013, 18:16
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Die Montana Tech rund um Investor Michael Tojner will der Bank Austria die EK Fin abkaufen. Laut Bank ist man beim Verkauf "auf gutem Wege"

Der Wiener Investor Michael Tojner will den Mittelstandsfinanzierer der Bank Austria, EK Fin, kaufen. Die Bank konzentriert sich aufs Kerngeschäft und trennt sich zudem von der Mezzanin Finanzierungs AG. Im Verkaufsprozess der EK Fin waren Ende 2012 vier Bieter im Rennen, die Schweizer Montana Tech AG rund um Tojner ging danach ins Rennen und läuft nun allein: Die Bank führt exklusive Verhandlungen mit ihr, wie der STANDARD erfahren hat. Seitens Tojner wird "Interesse an der EK Fin" bestätigt, laut Bank ist man beim Verkauf "auf gutem Wege". Für das Eigenkapital der Investoren in den Gesellschaften haftet die Austria Wirtschaftsservice.

Wien - Der Wiener Investor Michael Tojner steht kurz vor Abschluss seines nächsten Deals. Diesmal geht es um den Erwerb (mindestens) einer Tochtergesellschaft der Bank Austria (BA), der EK Mittelstandsfinanzierungs AG, kurz EK Fin. Diese Private-Equity-Gesellschaft hält Beteiligungen am Autoersatzteil-Händler Forstinger International GmbH (32 Prozent), am oberösterreichischen Spezialmaschinenerzeuger Anger Machining (49 Prozent) und dem tschechischen Maschinenerzeuger Papcel (34 Prozent).

Hintergrund des Verkaufs, der zwischen 20 und 27 Mio. Euro bringen soll: Die BA zieht sich aufs Kerngeschäft zurück, Mittelstandsfinanzierungen will sie künftig nur noch via Krediten abhandeln. Neben der EK Fin steht neuerdings auch die BA-Tochter Mezzanin Finanzierungs AG zum Verkauf, darum kümmert sich Ernst & Young.

Tojner auf Überholspur

Der Bieterprozess für die EK Fin ("Projekt Epos") wird bankintern abgewickelt, er läuft seit rund einem Jahr. Von anfangs rund 20 Interessenten waren im Spätherbst noch vier übrig: darunter ein Konsortium mit den beiden Geschäftsführern von Anger Machining. Tojner war bei dieser Riege nicht dabei. Er, bzw. die Schweizer Industrieholding Montana Tech Components AG, die kaufen würde, ist erst Ende 2012 auf den Plan getreten.

Mit Tojner lief es dafür umso schneller: Seit Mitte Jänner verhandelt die Bank Austria exklusiv mit ihm - die beiden Anger-Chefs und Miteigner, Dietmar Bahn und Klaus Dirnberger, hat er zuvor zu sich an Bord geholt.

Tojner sei der Bestbieter und der Deal unterschriftsreif, so ist aus Verhandlerkreisen zu hören. Offizielles gibt es dazu nur wenig. Ein BA-Sprecher: "Wir sind beim Verkauf der EK Fin auf gutem Wege". Vonseiten Tojners wird das Interesse der Montana Tech bestätigt. Die Industrieholding ist in den Bereichen Aerospace & Industrial Components, Energiespeicherung und Metallurgie aktiv - vor kurzem hat sie der Hypo Alpe Adria ihre kroatische Aluflex Gruppe abgekauft.

Forstinger-Schicksal offen

Was Tojner an der BA-Tochter interessiert, sind die beiden Spezialmaschinenerzeuger. Anger und Papcel würden zur Montana-Tochter Alpine Metal Tech passen, die Spezialmaschinen für die Stahl- und Aluminiumindustrie herstellt. Die Anteile an der angeschlagenen Autokette Forstinger dürften Tojner nicht reizen; sie wird er wohl abstoßen. Forstinger hat etliche Eigentümerwechsel hinter sich; neben der EK Fin gehört sie der Better P. New Technologies, auch Ex-Immofinanz-Banker Norbert Gertner und seine Frau halten Anteile.

Geld für die Finanzierung des Deals mit der Bank Austria hat die Montana: Sie hat sich im Vorjahr über eine Unternehmensanleihe 80 Mio. Euro geholt. Dazu kommt, dass sich das Risiko aus dem Deal in Grenzen hält. Denn: Die staatliche Austria Wirtschaftsservice AWS hat Haftungen für die Eigenkapitalinvestments der BA übernommen, von denen noch rund 25 Mio. Euro bestehen. Diese 100-Prozent-Garantien wird die Montana gleichsam mitkaufen. (Renate Graber, DER STANDARD, 7.3.2013)

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    Investor Michael Tojner wird den Mittelstandsfinanzierer der Bank Austria kaufen.

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    Mit im Portfolio: die Autozubehörkette Forstinger. Diese Beteiligung dürfte aber weiterverkauft werden.

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