Er wird abgehen

6. März 2013, 18:09
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Sicher, ein Normalsterblicher, der so spräche, müsste froh sein, die österreichische Staatsbürgerschaft behalten zu dürfen

Es hätte Armin Wolf wohl mit Edmund-Entacher-Maske (Norbert Darabos' Lieblingskontrahent) antreten müssen, um den Ex-Verteidigungsminister aus seiner Gelassenheit austreten zu lassen. So war der neugeborene SPÖ-Bundesgeschäftsführer nicht einmal mit der Fragefrechheit, ob er dereinst gar als Verteidigungsminister wiederkehren könnte, zu erschüttern.

Mit "Davon ist eher nicht auszugehen" vollendete Darabos vielmehr ein Interview, in dem er abermals all sein TV-Charisma erstrahlen ließ. Er war der verwirrende Nuschelkönig mit dem gewissen Nichts. Er war nach wie vor jener Satzauslegungsakrobat ("Ich trete nicht zurück, ich habe diesen Schritt freiwillig gewählt!"), der mit Elastizität alle Gesetze der Logik außer Kraft setzen will.

Und wenn er mit seiner Coolness auch etwas von einem Typen hatte, der zu lange in der Tiefkühltruhe gelagert wurde, so darf man darin nur einen die Worte ergänzenden Schachzug erblicken, um die Parteibotschaft glasklar unterzubringen. Etwa dort, wo es um den Job als Wahlkampfleiter geht: "Normalerweise bin ich nicht der Mensch, der sehr unbescheiden auftritt. Hier sage ich: Ich kann das. Ich werde es bei dieser Wahl zum Beweis bringen."

Sicher, ein Normalsterblicher, der so spräche, müsste froh sein, die österreichische Staatsbürgerschaft behalten zu dürfen. Bei Darabos hingegen ist das nur Teil jener selbstlosen Taktik, mit der er - den Sprachkönner in sich bändigend - für die Partei volksnah Mediensiege erringt. Schade, dass so jemand backstage wechselt, um etwa Strategien gegen Stronachs "Fatwa"-Bewegung ("Fairness, Transparenz, Wahrheit") zu ersinnen. Er hinterlässt eine TV-Lücke, die nur er wieder schließen könnte. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 7.3.2013)

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