Zarte Abstraktionen

6. März 2013, 17:40
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Das Animationsfilmfestival Tricky Women präsentiert vier Tage lang 138-mal Trickfilmkunst auf der Leinwand, erstmals im Wiener Haydn-Kino

Ein Special gilt den Arbeiten der österreichischen Künstlerin Lia.

Wien - Zuerst nur sanft pulsierende, bald stärker in Wellen ausschlagende, vertikale Linien durchziehen ein schwarzes Bildfeld. Das hinterlässt gewissermaßen sichtbaren Nachhall, verdichtet sich zu fein strukturiertem Schichtwerk, über dem schließlich, parallel zum Tonfall der Musik, dunkle Farben verrinnen. Machination 84 heißt das kurze Video von Lia aus 2010.

Es ist einerseits charakteristisch fürs Werk der österreichischen Computerkünstlerin und Softwareartistin. Die Bilder sind zum digitalen Score der langjährigen musikalischen Kollaborateure @c entstanden. Sie sind abstrakt und anfangs von Schwarzweiß dominiert. Aber im Unterschied etwa zu o68 (2008) wirken die Formen organischer, weicher. Während dort milchig weiße Splitterformen an den Strich von Comics denken lassen, assoziiert man diesmal einen malerischen Bezug.

Nicht nur abstrakt

Die ersten Arbeiten von Lia entstanden Mitte der 1990er-Jahre und wurden mit anderen "Austrian Abstracts" in einer heimischen Avantgardefilmtradition verortet. Technisch handelt es sich um gerechnete Bilder, Computeranimationen, und das verdeutlicht einmal mehr die inhaltliche, methodische und technologische Bandbreite dessen, was hinter der Bezeichnung Animationsfilm steckt.

Die zehnte Ausgabe des Festivals Tricky Women trägt dem auch heuer wieder Rechnung - etwa mit rezenten Beispielen von Doku-Animationen, einer Form, die zunehmend Bedeutung erlangt (aktuell etwa im Oscar-prämierten Musikdokumentarfilm Searching for Sugar Man, der manche Episoden in Animationssequenzen nachzeichnet).

Das Programmangebot von Tricky Women geht auch am neuen Festivalaustragungsort im Haydn-Kino über die Filmvorführungen mit insgesamt 138 Beiträgen hinaus: Interessierte können etwa am Freitag lernen, wie man im DIY-Verfahren eine digitale Kinokopie eigener Arbeiten herstellt. Lia, die unter anderem auch interaktive, künstlerische Apps entwickelt oder Live-Visuals produziert, wird zum Thema "Generative Compositions" vortragen.

Ihre lettische Kollegin Signe Baumane, bekannt und geschätzt für ihre " explizit instruktive" Teat Beat of Sex-Serie, gibt im Rahmen einer Masterclass Einblicke in die Entwicklung, Finanzierung und laufende Produktion ihres ersten abendfüllenden Werks. Die Filmemacherin Maryam Kashkoolinia wird am Wochenende anlässlich eines "Spot on Iran" zu Gast sein, und die mexikanische Produzentin und Animateurin Lourdes Villagómez gibt einen Überblick über mexikanische Filme. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 7.3.3.2013)

  • Pulsierende Formen: Der österreichischen Computerkünstlerin Lia widmet Tricky Women eine Personale, "Study", ...
    foto: sixpack

    Pulsierende Formen: Der österreichischen Computerkünstlerin Lia widmet Tricky Women eine Personale, "Study", ...

  • ... "o68" ...
    foto: sixpack

    ... "o68" ...

  • ... und " Machination" sind nur einige der gezeigten Arbeiten.
    foto: sixpack

    ... und " Machination" sind nur einige der gezeigten Arbeiten.

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